Sonntag, 30. März 2014

Ein kleiner Ausflug in den Norden


Hallo meine Lieben,

Im Januar kam wie vor zwei Jahren auch, eine Gruppe von Schülern aus meiner alten Schule nach Israel. Begleitet von drei Lehrern und unserem Direktor besichtigen sie das Land und im Vordergrund steht das Zusammentreffen mit einer Schule in Haifa.

Ich hatte in meinem letzten Schuljahr meinen Direktor angesprochen und gesagt, dass ich ein Jahr in Israel verbringen werde. Wir haben E-Mail Adressen ausgetauscht. Ich hatte diesen Ausflug, durch die viele Arbeit und die Eindrücke ein wenig vergessen. Aus diesem Grund kam seine E-Mail für mich überraschend. Ich habe mich aber sehr gefreut ein paar Lehrer und Schüler wiederzusehen.

Ich bin am Morgen losgelaufen und musste mich richtig hetzen, weil ich meine Tasche nur halb gepackt und meinen Wecker zu spät gehört hatte. Den Bus in Afula habe ich noch rechtzeitig bekommen und war dementsprechend auch halb pünktlich da.

Eigentlich war es geplant, dass die Gruppe das Kfar besichtigt, dies war aus zeitlichen Gründen aber nicht möglich. Also habe ich mich auf den Weg nach Zfat gemacht, ein Künstlerdorf im Norden Israels. Durch Zfat sollte laut der Juden auch der Messias auf seinem Weg nach Jerusalem durchkommen.

Nach dem wir in Zfat waren sind wir zu einer der Jordanquellen gefahren.



Der Tag war auch von dem Wetter her sehr angenehm, deswegen hatte man eine sehr gute Aussicht und auch die Gruppenstimmung war gut. Nach und nach haben die Schüler angefangen mir Fragen über meine Arbeit zu stellen, über die Zeit, die ich hier in Israel schon verbracht habe und was ich zu bestimmten Themen denken würde, wie zum Beispiel das Zusammenleben zwischen Juden und Arabern.


Berg Hermon



syrische Grenze

Tabgha
 
 
 
 
Wir haben noch einen Abstecher zum Golan gemacht, sind an den Berg Hermon gefahren und haben die syrische Grenze gesehen.
Das hat mir das erste Mal gezeigt wie nah doch mein Wohnort von Syrien entfernt ist. Ein mulmiges Gefühl war es schon, gerade wenn man bedenkt, dass in Israels Nachbarland die Atmosphäre sehr gereizt und angespannt ist.

Am Abend sind wir zurück nach Tabgha gefahren. Dort haben wir zu Abend gegessen und eine schöne Abschlussrunde gehalten. Ich habe mein Projekt, meine Arbeit und mein Leben in Israel vorgestellt und versucht dazustellen, weshalb ich den Ort hier mag.
Jeder sollte dann der Reihe nach sagen, was ihm gefallen hat und was er sich für die nächsten Tage wünscht. Ich saß anschließend noch mit den Lehrern draußen und habe mich über die Zeiten in der Schule unterhalten, das Abi, mein Jahr, habe gehört was sich so bei uns verändert hat und bin müde ins Bett gefallen.

Am nächsten Tag war ich früh wieder zu Hause und wurde von Sonne empfangen. Ich hatte Zeit zur Post zu gehen, ein paar Mails zu schreiben und zu entspannen.
Ein wunderschöner Tag.

Eure Maité

Donnerstag, 27. März 2014

2. Bericht - Halbzeit in Kfar Tivka

Hallo meine Lieben, ich habe mich seit langem nicht mehr gemeldet und das tut mir auch leid, aber so vieles ist hier los, ich habe eine Menge an Dinge zu erledigen und komme kaum dazu Mails zu schreiben oder meinen Blog weiter zu schreiben. Hier also wieder Neuigkeiten von mir. Bald kommt hoffentlich auch wieder mehr!



 
Die Halbzeit naht und es ist wieder an der Zeit einen kleinen Einschnitt zu machen, nachzudenken und euch allen zu berichten, was denn in den letzten drei Monaten passiert ist. Ich habe mir in diesem Rundbrief vorgenommen etwas mehr über meine Einzelarbeit zu schreiben.


Zu Beginn des Jahres, haben wir Einzelmember zugeteilt bekommen. Mit einem von ihnen arbeite ich nun seit 6 Monaten im Garten. Daniel * ist noch relativ jung und seine Behinderung resultiert aus einem Kindheitstrauma. Seine Eltern haben ihn missbraucht. Kontakt zu seiner Familie pflegt er kaum. Einmal alle zwei Monate kommt seine Mutter zu Besuch, aber wie mir seine Sozialarbeiterin gesagt hat, er verschlingt regelrecht sein Kuchenstück und möchte dann gehen, obwohl seine Mutter da ist. Generell redet er nicht sehr viel, ist aber sehr nervös und angespannt, er ist hektisch, kann nicht ruhig sitzen bleiben und ist unsicher in allem was er tut. Bringt er den Müll weg, fragt er auch beim dritten Mal „Eifo?" „Wo?" Ein weiteres Merkmal ist, dass er ständig Bestätigung braucht, dass das was er macht richtig ist. Manchmal verbessert man ihn bei der Arbeit, zeigt ihm wie er den Rechen richtig halten muss oder wie er das Unkraut rupfen soll und er entschuldigt sich umgehend. Zu Beginn hatte ich Probleme mich ihm anzunähern, weil ich mit der Einstellung herangegangen bin, dass die Arbeit mit ihm leicht werden würde. Ich habe diese Aufgabe wohl unterschätzt, denn es hat sich schwerer herausgestellt, als gedacht. Am Anfang habe ich erst mal versucht mit ihm zu reden, herauszufinden wo seine Stärken liegen, welche seine Lieblingsbeschäftigungen sind und mit welchen Leuten er zusammensitzt und redet. Auf alle Fragen hat er mit „Ja" geantwortet und aus diesem Grund war es sehr schwer für mich festzustellen wie er denkt und was er mag. Auch weil er einen festen Tagesablauf hat. Er hat einen Freund mit dem er sich regelmäßig trifft. Ein paar Male musste ich auf genau diese Uhrzeiten ausweichen, weil ich anderweitig beschäftigt war. Er war nicht auffindbar.

Im Kfar selbst gibt es sehr viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen und mit seinen Membern etwas zu unternehmen. Zum Beispiel haben wir einen Musikraum neben unserem Speisesaal und da ich angefangen habe alleine Klavierspielen zu lernen, habe ich ihn ein paar Male mitgenommen. Wir haben uns hingesetzt und ich wollte, dass er zuhört und später auch selber die Tasten berührt, ausprobiert und Musik macht. Fünf bis zehn Minuten saß er still auf seinem Stuhl und hat zugehört. Dann hat er selbst ausprobiert. Aber er hat wild auf nur einer Taste gespielt. Und plötzlich wollte er weg.

Diese Art der Treffen habe ich deswegen erst einmal nicht wiederholt. Aus diesem Grund bin ich mit ihm in unser Kfar eigenes Café gegangen, um ihn unter die Menschen zu mischen, dass er redet und eine halbe oder eine ganze Stunde in Gesellschaft verbringt. Auch hierbei hat er nach einer viertel Stunde nicht mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzen können. Diese Momente haben sich bei vielen unterschiedlichen Unternehmungen wiederholt. Zum Beispiel auch, als ich seine Sozialarbeiterin gefragt habe, ob ich mit ihm außerhalb des Dorfes etwas Essen gehen könnte. Beim ersten Mal war er so nervös, dass er sich gegenüber von anderen Membern falsch verhalten hat und seine Socialworkerin ihm den Ausgang verboten hat. Ich habe es noch einmal versucht und dann ging es auch. Wir haben den Transit in das nächstgelegene Dorf genommen und haben Falafel gegessen. Für mich war diese Unternehmung nur eine Bestätigung, dass Geduld und Entspanntheit nicht zu seinen Stärken gehören. Zum Glück, stehen wir Freiwilligen in ständigem Kontakt mit den zuständigen Sozialarbeitern. Da beide meiner Member dieselbe Bezugsperson haben, ist es für mich ein Vorteil. Ich habe lange mit ihr geredet und versuche jetzt mit ihrer Hilfe meinem Member Geduld beizubringen. Beziehungsweise in aller erster Linie ihm zu zeigen, was es heißt sich zu entspannen. Dazu gehört auch, dass wir ihm bei der Arbeit nicht ständig die Uhrzeit sagen dürfen. Wenn er fragt, sollen wir nicht antworten oder ihm sagen, dass wir jetzt arbeiten und die Uhrzeit keine Rolle spielt. Zusätzlich soll ich grundsätzlich, wenn ich etwas mit ihm unternehme ihn beschäftigen, dass er gar keine Möglichkeit findet mich zu fragen „Wie lange noch?", „Wir machen doch heute nur etwas bis um vier oder?" „Wie viel Uhr ist es?" „Was machen wir jetzt?". Manchmal kommt es vor, dass er in der Pause auf der Arbeit sagt: „Ich weine, ich weine." Es ist zur „Gewohnheit" geworden, dass er das oft sagt. Fragt man ihn weshalb er weint, antwortet er, dass es wegen seines Vaters sei und ballt seine Hand zu einer Faust zusammen. Und manchmal fängt er dabei an zu lachen. Es klingt sicherlich etwas merkwürdig und man gewöhnt sich auch nicht daran. Aber ich bin der Meinung, dass er seine Gefühle zum Ausdruck bringen möchte und muss, das aber nicht anders kann.

Ich merke, dass er jetzt öfters zu mir kommt, schon am Anfang der Woche und wissen möchte was wir machen. Eigentlich finde ich das sehr gut. Denn ich möchte, dass er entscheidet was wir donnerstags machen. Ich frage ihn. Mal sagt er Café, mal Falafel, Musik, Spiele spielen, spazieren gehen oder nur sitzen. Er hat die ganze Woche Zeit darüber nachzudenken und meist finden wir etwas woran er auch Spaß hat. Seit ein oder zwei Wochen bin ich regelmäßig in seinem Haus. Er wohnt mit fünf anderen Behinderten zusammen. Eine sehr nette Wohngemeinschaft. Ich habe Eier, Mehl, Milch und Zucker mitgebracht und wir haben alle zusammen Pancakes gebacken. Eine Sozialarbeiterin kam vorbei und hat sich zu uns gesetzt. Wir haben über die Woche geredet, was gut gelaufen ist, woran wir Spaß hatten und haben zum Abschluss alle zusammen gesungen. Eine wunderschöne Atmosphäre und auch Daniel * hat mitgeholfen und mitgesungen. Mein Ziel mit ihm ist es, dass er ruhiger wird. Wir haben neben den Musikraum einen Raum, in dem die Member nur Musikhören dürfen. Sie sitzen in Sesseln, haben Kopfhörer auf und dürfen Lieder nach Wunsch hören. Ich glaube, dass Musik bei vielen Dingen helfen kann und ich möchte ausprobieren, ob das eventuell der richtige Weg ist mit ihm an seinen „Schwächen" zu arbeiten.

Natürlich darf ich bei all dem nicht vergessen, dass er eine Behinderung und all das einfach zu dieser Beeinträchtigung dazugehört. Es ist auch selbstverständlich, dass wir als Freiwillige nicht mit allen „Chaverim" zurechtkommen. So hatte ich zum Beispiel zu Beginn des Jahres einen Member zugeteilt bekommen, mit dem ich leider nicht zurechtgekommen bin. Nach einem Monat habe ich unseren Leiter gebeten zu tauschen. Somit war ich vorerst nur mit einem Member beschäftigt. Die Arbeit muss von beiden Seiten aus gewollt sein, damit auch eine gute Atmosphäre bei den Treffen entstehen kann. Wir als Volontäre haben regelmäßig die Aufgabe mit einem Member, Jonathan *, essen zu gehen. Das heißt, wir holen ihn von seinem Workshop ab, bringen ihn zum Speisesaal und sollen aufpassen, dass er sein Essen nicht verschlingt, sondern langsam ist und schluckt. Ich habe zu ihm eine gute Beziehung aufgebaut und habe mich immer sehr gefreut mit ihm arbeiten zu können. Ich arbeite nun zusätzlich zwei Mal die Woche auf persönlicher Ebene mit ihm. Er ist schwul, sein Freund lebt im Altersheim. Jonathan ist ruhig, spricht kaum und ist an sich ein sehr langsamer Mensch. Jetzt, nach einiger Zeit, fängt er von sich selber aus an mit mir zu reden. Meine Aufgaben mit ihm bestehen darin, dass ich einmal die Woche mit ihm zu unserer Tierfarm gehe. Er schlägt Tiere, geht manchmal am Nachmittag dorthin und richtet Chaos an. Das bedeutet, dass ich mit ihm die Tiere streichele, ihm deutlich machen, dass sie Lebewesen mit Gefühlen sind und man mit ihnen genauso wie mit einem Menschen umgehen muss. Er ist immer unterwegs, nie zu Hause und wenn er dann doch einmal zu Hause sein sollte, dann schläft er. Ansonsten gehe ich mit spazieren, passe mich seinem Schritttempo an. Manchmal ergreift ihn die Lust einfach rückwärts zurückzugehen. Dabei fokussiert er sich auf ein Detail, was ihn überaus zu interessieren scheint. Er hält an, meistens bin ich mit zurückgegangen. Er streckt plötzlich den Arm aus, zeigt auf etwas und fragt mich „ma se be germanit?" „Was ist das auf Deutsch?" und lacht mich dabei an. Man hat mir erzählt, dass er ein sehr intelligenter Mensch gewesen sein muss, durch sein Alter wird er aber schwächer und vergisst auch vieles. Er ist doch manchmal sehr schlau. Einmal wollte ich mit ihm seine Schuhe putzen, weil sie durch den Regen sehr dreckig geworden sind. Er ist auf die Toilette gegangen. Ich habe schon mal angefangen und meinte zu ihm er solle anschließend zu mir kommen und mir helfen. Er kam natürlich nicht wieder und als ich ihn gesucht habe, lag er in seinem Bett, sein Kopfkissen über seinen Kopf gelegt und wollte schlafen. Ich habe die Arbeit vor drei Monaten begonnen. Manchmal fällt ein Treffen aus. Auch wenn er langsam ist, aus mir unerklärlichen Gründen ist er in diesem Dorf nicht auffindbar, wenn man ihn mal sucht. Mir gefällt die Arbeit mit ihm sehr, weil ich sehe, dass es ihm auch gefällt. Ganz zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit habe ich ihm eine Begrüßung beigebracht und dachte, dass es ihn sicherlich nicht wirklich interessieren würde. Immer wenn er mich nun sieht, kommt er auf mich zu gelaufen

und streckt mir seine Hand entgegen, um mich zu begrüßen. So sieht bei uns die Einzelarbeit aus. Einige von uns haben auch „Chaverim", die Merkmale von Messie-Sein aufweisen. So besteht hier die Aufgabe, gemeinsam das Zimmer aufzuräumen. Zusätzlich kümmern wir 12 Freiwillige uns um einen bestimmten Member, auch das „Volontärsbaby". Ben’s Familie * kann sich keine 24-Stunden Betreuung leisten, die er eigentlich benötigen würde. Somit haben wir die Aufgabe, ihn bis abends zu betreuen. Er trägt dauerhaft einen Helm, da er Epileptiker ist und manchmal Anfälle bekommt. Eigentlich könnte er frei neben uns herlaufen, da er aber leicht fällt und sich verletzt sollen wir ihn unter den Arm nehmen. Er lebt mit einem andern Member zusammen, der sich wie ein Vater um ihn kümmert. Es ist herzerwärmend beobachten zu können, dass er sich um ihn sorgt, ihn vor dem Frühstück anzieht. Er ist ein Riese, sowohl in der Höhe als auch in der Breite und könnte Ben* sicherlich zerdrücken. So ist es umso schöner zu sehen, wie beide miteinander umgehen und auch Ben* wiederholt seinen Namen rund um die Uhr.

Morgens wird er von einem Jungen geduscht und für die Arbeit fertig gemacht, was meistens eine Stunde, von 7-8 Uhr einnimmt. Bis um 11:30 ist er in einem Workshop untergebracht. Da er Probleme beim Laufen hat, holen wir ihn vor dem Mittagessen ab und bringen ihn in die Lobby vor unseren Speisesaal. Alleine essen kann er, wenn er fertig ist, kommt er an unseren Tisch. Einer von uns hat dann die Aufgabe seine schmutzige Wäsche zur Wäscherei zu bringen. Seine saubere ist dann bereits schon oben in seinem Zimmer. Zusammen faltet man seine Wäsche und geht dann an den Karavan. Dieser Bereich ist normalerweise für die Dorfbewohner verboten und erstaunlicherweise hält sich auch jeder „Chaver" daran. Ben * sitzt mit uns draußen auf den Sofas, nervt uns ein bisschen in dem er immer wieder dasselbe sagt. „Aba lo ba, aba lo ba,…" „Papa kommt nicht, Papa kommt nicht….". Oder er erwacht plötzlich aus seiner Trance und schreit ein paar Male hintereinander „Buuhh", was alle um ihn herumsitzenden Freiwilligen hochschrecken lässt. Am Anfang fand ich ihn sehr anstrengend, mochte die Arbeit auch nicht so sehr. Jetzt hat man sich daran gewöhnt. Ist er mal krank und hat keine Stimme ist man froh. Aber ohne ihn am Karavan zu sitzen wäre nicht dieselbe Pause. Im Winter ist er mit uns im Karavan und schläft, wenn er nicht aufgedreht ist. Ein sehr süßer Anblick. Und manchmal ruft er einen unserer Namen, was uns so freut und uns wie kleine Kinder, wenn sie Süßigkeiten in der Hand halten, glücklich macht. Man kann ihm Bücher auf allen Sprachen vorlesen, es beruhigt ihn und er hört zu. Bis um 5 Uhr ist stündlich immer einer mit ihm beschäftigt. Anschließend übernimmt ihn immer ein Sozialarbeiter. Das sind unsere Hauptjobs mit den „Chaverim". Manchmal müssen wir hier einen duschen oder mit einer anderen einkaufen gehen. Unser Zeitplan ist immer sehr voll. Trotzdem müssen wir manchmal, meistens vormittags auf sogenannte „Hospitaldrives" gehen. Wenn der Member nach Haifa ins Krankenhaus muss holt uns ein Taxi ab, ist es in Tiv’on nehmen wir den Transit. Anfangs war es schwierig für uns. Einerseits der Sprache wegen andererseits, weil die Member auch nervös werden oder der Arzt nicht kommt,…! Eine halbe Stunde kann einer dauern, vier der andere. Kurz vor unserer Weihnachtsfeier im Kfar musste ich nach Haifa. Nach dreieinhalb Stunden, kurz vor Beginn der Feier war ich wieder zurück. Der Arzt hatte entschieden mit Freunden etwas zu essen und sein Klientel vor dem Saal warten zu lassen. Diese Art der Ausflüge hat aber auch einen Vorteil. Man lernt Member kennen oder besser kennen.

Was mich bei dieser Arbeit erfreut ist, dass uns die „Chaverim" sehr schnell in ihr Herz geschlossen haben. Eine hat mich letztens gebeten zu bleiben. „At lo choseret le germania, nachon?!" „Du gehst nicht zurück nach Deutschland, oder?!" Ständig hören wir unsere Namen, wir werden um Hilfe gebeten oder man setzt sich auf die Bank und quatscht. Ich verstehe, warum so viele Freiwillige den Wunsch haben zurückzukommen und bin auch überrascht, dass die Member noch so viele Namen behalten haben und sie die alten Volontäre so offenherzig begrüßen. Diese Menschen geben einem pure Liebe zurück. Sie sind glücklich über jeden klitzekleinen Moment, den wir mit ihnen verbringen. Sei es bei der Arbeit oder auf persönlicher Ebene.

Ich habe seit Weihnachten nicht mehr viel berichtet. Weihnachten war sehr anders, aber auch sehr schön. Wir haben in der Woche vor Weihnachten unseren Israelis gezeigt, wie wir Weihnachten feiern. Deutsches Essen wurde vorbereitet und mit Musik wurde der Abend untermalt. Dann sind wir am Weihnachtsmorgen nach Jerusalem gefahren. Wir waren eine große Gruppe, haben uns einen schönen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen in der Altstadt gemacht. Am Abend haben wir ein paar andere Volontäre getroffen und sind in die Erlöserkirche gelaufen. Der Gottesdienst war der erste seit langem und es war schön etwa einheimisches zu erleben, sich ein bisschen wie in Deutschland zu fühlen. Von der Erlöserkirche sind wir zu Fuß nach Bethlehem gelaufen. Drei Stunden in der Kälte. Es war aufregend und dadurch, dass so viele Leute unterwegs waren hat man mal hier, mal dort Gespräche geführt. Mit dem Direktbus nach Hause und mit allen am Nachmittag Weihnachten feiern. Anders aber schön. Wir haben zwischenzeitig auch ein paar Feste gefeiert.

Das jüngste war Purim, vergleichbar mit Fasching. Viel davon mitbekommen habe ich nicht, da ich 9 Stunden mit einem Member im Krankenhaus verbracht habe. Das Kfar war aber in voller Aufregung, es wurde ein Vormittag mit Trommeln veranstaltet, unsere Member wurden geschminkt, Musik wurde gehört und andere Aktivitäten standen auf dem Programm. Vor kurzem gab es auch eine Choraufführung. Unsere Volontärsband hat zusammen mit unserem Memberchor etwas aufgeführt.



Ihr seht, es ist immer etwas zu tun. Wir sind mit Vorbereitungen beschäftigt, haben unsere Proben, sind immer auf Achse und genießen nun da wieder warme Wetter. Mir geht es immer noch gut. Ich bin glücklich, freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Es ist schön zu sehen, wie stark man nun nach einem halben Jahr an die Member gebunden ist und wie herzlich mit einem umgegangen wird.


Wir haben zwei Mal die Woche Ulpan, das heißt hebräisch Unterricht. Ich kann schon relativ gut mit der Sprache umgehen. Ich versuche gleichzeitig noch arabisch zu lernen, was alles etwas verkompliziert und ein klitzekleines Chaos in meinem Kopf anrichtet. Aber vielleicht ist ja mein Wille groß genug, um damit zurechtzukommen. Hier also noch einmal ein riesiges Dankeschön an all diejenigen, die mich unterstützen und meinen Blog, der momentan nicht vorankommt lesen. Danke an all diejenigen, die geduldig auf Antworten warten, wenn Maité mal wieder vergisst zu schreiben.

Alles Liebe aus dem wieder warm werdenden Israel

Eure Maité
 
Das war in Haifa am Strand, ist schon etwas her. Ich freue mich aber sehr auf die Zeit, in der wir wieder öfters an den Strand fahren werden.