Am Wochenende, wie es jeder wahrscheinlich schon mitbekommen hat, hat es geschneit. "Wintereinbruch im Nahen Osten"; "Jerusalem im Schneechaos!"; "Schwerer Wintersturm legt Israel lahm"; "Israel und Region versinken im Winterchaos"
So stand es in den Zeitungen.
Wir sind also trotz allen Warnungen am Donnerstag nach Haifa gefahren. Dort hieß es zunächst, es würden keine Busse fahren. Wir haben nachgehackt und dann auf einmal fuhren doch wieder Busse. Nach einem kleinen Snack sind wir mit dem Bus um 19:00 Richtung Jerusalem gefahren. Alles verlief gut, bis wir in Jerusalem ankamen. Man sah aus dem Fenster die ersten Schneeflocken fallen. Wir riefen im Hostel an, um erstens ein Zimmer zu buchen und zweitens um zu sagen, dass wir eventuell später kommen würden. Zu dem Zeitpunkt sprachen wir über eine Dreiviertelstunde. Irgendwann staute es sich vor uns und wir wurden unruhig. Der Busfahrer hielt an und meinte, wir würden jetzt erstmal stehen bleiben müssen. Die Jungs und Männer sind erstmal auf die Toilette gegangen, später haben wir uns auch herausgetraut. Nicht einfach für Mädchen auf einer zweispurigen Autobahn einen Platz zu finden, an dem nicht hundert Augenpaare einen anstarren. An den Rädern haben wir es uns dann "gemütlich" gemacht ;-).
Wieder im Bus hieß es immer wieder, "bald geht es weiter bald geht es weiter". Von wegen. Wir standen zehn Stunden auf dem Highway 1, 8 Kilometer entfernt von der heiligen Stadt. Kein Essen, kein Trinken und keine Möglichkeit sich fortzubewegen. Theres hat sich mit einem Schlafsack auf die letzte Reihe gelegt. Roman, Rebekka, Mimi und ich haben es uns auf zwei Plätzen gemütlich gemacht. Glück für uns also, dass der Bus nur zur Hälfte gefüllt war. Ich war kurz draußen und habe Fotos gemacht. Vorher hatten uns andere deutsche Freiwillige gefragt, ob wir mit ihnen zurücklaufen wollen. Nachdem ich draußen war, war für mich sicher: ich bleibe im Bus, der Wind ist zu stark und es ist einfach zu kalt.
Als wir aufgewacht sind, waren wir bis zum Rand von Jerusalem vorgedrungen. Anscheinend hatte der Bus wie viele andere auch kehrt gemacht und eine andere Straße genommen.
Man sagte uns, es gäbe Verpflegung in der Central Bus Station. Wir haben uns zu fünft dazu entschlossen das restliche Stück zu laufen und auf unserem Fußweg nach einem Hostel Ausschau zu halten. Mit nassen Schuhen, keiner Motivation und kalten Gesichtern sind wir im Schnee langgestapft. Nach einer Stunde hat eine von uns eine Bäckerei entdeckt und ist rufend hineingelaufen. Zum Glück haben sie uns aufgenommen. Tropfend standen wir in dem Bäckerladen, mit dem uns geschenkten Brot in der Hand. Nach ein paar Minuten kam die Frage auf, wo wir denn schlafen würden. Da wir keine Ahnung hatten, hat uns der Bäcker mitgenommen ins 15 Meter weitentfernte Hotel.
Ein Zimmer für fünf für den Preis von vier. Das war okay, obwohl es doch teuer für uns war. Um neun haben wir uns schlafen gelegt. Wir waren ausgelaugt, müde und durchnässt. Nach einer heißen Dusche haben wir bis um zwei geschlafen. Eine kleine Küche war in unserem Zimmer, an Shabbat machen die Geschäfte früh zu, also sind wir schnell raus um noch etwas einzukaufen. Nudeln, Tomatensoße, Chips und Tee. Ein kleiner Abstecher zu den Jerusalemer Volontären. Es hatte zwischendurch aufgehört zu schneien und wir dachten, wir würden gut nach Hause kommen.
Mit Plastiktüten unter den Socken, die nassen Schuhe darüber sind wir raus gegangen. Da sahen wir, dass es wieder geschneit hatte. Zu allem Unglück ist uns eine Tomatensoße auf den Boden gefallen. Zurück im Hotel, nach einem erneut kalten Marsch durch den Schnee haben wir uns Zimttee, Nudeln und Tomatensoße gemacht, Pita mit Humus als Vorspeise.
Dann nun der Abreisetag. Wir hatten am Tag zuvor mit Eran gesprochen und er hatte uns durchgegeben, dass es zwei Züge geben würde. Um 11 Uhr morgens und um 14 Uhr. Wir sind los, wollten trampen. Natürlich keine Autos. Die Autofahrer hatten ihre Autos liegenlassen und sind zu Fuß nach Hause gelaufen. Während wir am Shabbat versucht haben ein Taxi zu erreichen, kam ein Krankenwagen. Er hat uns mitgenommen, davor aber sein Navi ausgeschaltet, da es während seiner Arbeitszeit war. Wir mussten an der Zugstation noch warten. Alle ohne Schuhe, weil unsere Füße so durchnässt und kalt waren, dass wir die Schuhe nicht mehr anlassen konnten.
Wer es glaubt oder nicht, wir sind nach vier Stunden Zug endlich wieder zu Hause angekommen.
Fazit: es war anstrengend, eigentlich zu erwarten aber es ist und bleibt eine Geschichte, die man noch lange erzählen kann. Wer erlebt schon den "härtesten Winter seit 60 Jahren" in Israel?
Zu Hause angekommen, erwartete mich unsere schön gedeckter Tisch mit unserem tollen Adventskranz, den Kerzen und dem Duft der Weihnachtskekse.
Heute bin ich von meinem dreitägigen Seminar in Haifa über religiöse Minderheiten in Israel nach Hause gekommen. Ich berichte ein anderes mal darüber. Aber das Wetter hier in Tivon ist wieder richtig schön. Die Regenzeit ist nicht vorbei aber momentan scheint die Sonne und es sind mildere Temperaturen vorzufinden. Was möchte man mehr??
Bald ist Weihnachten, wir werden am 22. 12. mit den Workshopleitern, Eran und den israelischen Freiwilligen ein Weihnachtsessen machen, mit Brezeln, Pastete, Kartoffelsalat und noch vieles mehr. Am 24.12. werden wir nach Bethlehem fahren und dort wenn alles klappt in Jerusalem in der Erlöserkirche den Gottesdienst besuchen. Dann marschieren wir nach Bethlehem pilgern.
Ich wünsche euch frohe Weihnachten zu Hause und wo auch immer ihr momentan seid!
Eure Maité
