Donnerstag, 19. Dezember 2013

Kalt in Israel? Wer hätte das gedacht?!

Ich ziehe diesen Bericht etwas vor, weil ich gerade aus meinem Kurzurlaub in Jerusalem zurückgekommen bin.
Am Wochenende, wie es jeder wahrscheinlich schon mitbekommen hat, hat es geschneit. "Wintereinbruch im Nahen Osten"; "Jerusalem im Schneechaos!"; "Schwerer Wintersturm legt Israel lahm"; "Israel und Region versinken im Winterchaos"
So stand es in den Zeitungen.
Wir sind also trotz allen Warnungen am Donnerstag nach Haifa gefahren. Dort hieß es zunächst, es würden keine Busse fahren. Wir haben nachgehackt und dann auf einmal fuhren doch wieder Busse. Nach einem kleinen Snack sind wir mit dem Bus um 19:00 Richtung Jerusalem gefahren. Alles verlief gut, bis wir in Jerusalem ankamen. Man sah aus dem Fenster die ersten Schneeflocken fallen. Wir riefen im Hostel an, um erstens ein Zimmer zu buchen und zweitens um zu sagen, dass wir eventuell später kommen würden. Zu dem Zeitpunkt sprachen wir über eine Dreiviertelstunde. Irgendwann staute es sich vor uns und wir wurden unruhig. Der Busfahrer hielt an und meinte, wir würden jetzt erstmal stehen bleiben müssen. Die Jungs und Männer sind erstmal auf die Toilette gegangen, später haben wir uns auch herausgetraut. Nicht einfach für Mädchen auf einer zweispurigen Autobahn einen Platz zu finden, an dem nicht hundert Augenpaare einen anstarren. An den Rädern haben wir es uns dann "gemütlich" gemacht ;-).
Wieder im Bus hieß es immer wieder, "bald geht es weiter bald geht es weiter". Von wegen. Wir standen zehn Stunden auf dem Highway 1, 8 Kilometer entfernt von der heiligen Stadt. Kein Essen, kein Trinken und keine Möglichkeit sich fortzubewegen. Theres hat sich mit einem Schlafsack auf die letzte Reihe gelegt. Roman, Rebekka, Mimi und ich haben es uns auf zwei Plätzen gemütlich gemacht. Glück für uns also, dass der Bus nur zur Hälfte gefüllt war. Ich war kurz draußen und habe Fotos gemacht. Vorher hatten uns andere deutsche Freiwillige gefragt, ob wir mit ihnen zurücklaufen wollen. Nachdem ich draußen war, war für mich sicher: ich bleibe im Bus, der Wind ist zu stark und es ist einfach zu kalt.

 
 
Als wir aufgewacht sind, waren wir bis zum Rand von Jerusalem vorgedrungen. Anscheinend hatte der Bus wie viele andere auch kehrt gemacht und eine andere Straße genommen.

 
Man sagte uns, es gäbe Verpflegung in der Central Bus Station. Wir haben uns zu fünft dazu entschlossen das restliche Stück zu laufen und auf unserem Fußweg nach einem Hostel Ausschau zu halten. Mit nassen Schuhen, keiner Motivation und kalten Gesichtern sind wir im Schnee langgestapft. Nach einer Stunde hat eine von uns eine Bäckerei entdeckt und ist rufend hineingelaufen. Zum Glück haben sie uns aufgenommen. Tropfend standen wir in dem Bäckerladen, mit dem uns geschenkten Brot in der Hand. Nach ein paar Minuten kam die Frage auf, wo wir denn schlafen würden. Da wir keine Ahnung hatten, hat uns der Bäcker mitgenommen ins 15 Meter weitentfernte Hotel.
Ein Zimmer für fünf für den Preis von vier. Das war okay, obwohl es doch teuer für uns war. Um neun haben wir uns schlafen gelegt. Wir waren ausgelaugt, müde und durchnässt. Nach einer heißen Dusche haben wir bis um zwei geschlafen. Eine kleine Küche war in unserem Zimmer, an Shabbat machen die Geschäfte früh zu, also sind wir schnell raus um noch etwas einzukaufen. Nudeln, Tomatensoße, Chips und Tee. Ein kleiner Abstecher zu den Jerusalemer Volontären. Es hatte zwischendurch aufgehört zu schneien und wir dachten, wir würden gut nach Hause kommen.
Mit Plastiktüten unter den Socken, die nassen Schuhe darüber sind wir raus gegangen. Da sahen wir, dass es wieder geschneit hatte. Zu allem Unglück ist uns eine Tomatensoße auf den Boden gefallen. Zurück im Hotel, nach einem erneut kalten Marsch durch den Schnee haben wir uns Zimttee, Nudeln und Tomatensoße gemacht, Pita mit Humus als Vorspeise.

Dann nun der Abreisetag. Wir hatten am Tag zuvor mit Eran gesprochen und er hatte uns durchgegeben, dass es zwei Züge geben würde. Um 11 Uhr morgens und um 14 Uhr. Wir sind los, wollten trampen. Natürlich keine Autos. Die Autofahrer hatten ihre Autos liegenlassen und sind zu Fuß nach Hause gelaufen. Während wir am Shabbat versucht haben ein Taxi zu erreichen, kam ein Krankenwagen. Er hat uns mitgenommen, davor aber sein Navi ausgeschaltet, da es während seiner Arbeitszeit war. Wir mussten an der Zugstation noch warten. Alle ohne Schuhe, weil unsere Füße so durchnässt und kalt waren, dass wir die Schuhe nicht mehr anlassen konnten.

Wer es glaubt oder nicht, wir sind nach vier Stunden Zug endlich wieder zu Hause angekommen.
Fazit: es war anstrengend, eigentlich zu erwarten aber es ist und bleibt eine Geschichte, die man noch lange erzählen kann. Wer erlebt schon den "härtesten Winter seit 60 Jahren" in Israel?





Zu Hause angekommen, erwartete mich unsere schön gedeckter Tisch mit unserem tollen Adventskranz, den Kerzen und dem Duft der Weihnachtskekse.

Heute bin ich von meinem dreitägigen Seminar in Haifa über religiöse Minderheiten in Israel nach Hause gekommen. Ich berichte ein anderes mal darüber. Aber das Wetter hier in Tivon ist wieder richtig schön. Die Regenzeit ist nicht vorbei aber momentan scheint die Sonne und es sind mildere Temperaturen vorzufinden. Was möchte man mehr??



Bald ist Weihnachten, wir werden am 22. 12.  mit den Workshopleitern, Eran und den israelischen Freiwilligen ein Weihnachtsessen machen, mit Brezeln, Pastete, Kartoffelsalat und noch vieles mehr. Am 24.12. werden wir nach Bethlehem fahren und dort wenn alles klappt in Jerusalem in der Erlöserkirche den Gottesdienst besuchen. Dann marschieren wir nach Bethlehem pilgern.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten zu Hause und wo auch immer ihr momentan seid!

Eure Maité

Freitag, 29. November 2013

Drei Monate sind rum, was ist bisher passiert?


Shalom Chaverim,



mein erster Rundbrief nach drei Monaten. Der Herbst und auch der Winter brechen hier ein und man wird langsam nachdenklich: Was ist in den letzten Tagen, Wochen, Monaten passiert? Der Rundbrief soll nicht nur euch einen Einblick in mein neues Leben geben, er soll auch für mich der erste Anhaltspunkt, die erste Verschnaufpause sein, in der ich für mich selbst auch reflektieren kann, was ich für Erlebnisse gemacht habe und inwiefern sich mein Leben verändert hat.

Das Bild zeigt mich zwar nicht, aber es zeigt gut, wie ich mich hier fühle. Typisch für israelische Sonnenuntergänge sind, dass gerade am Meer die Farben sehr intensiv sind und die Sonne mit dem Meer verschmilzt. Innerhalb weniger Minuten ist sie weg, ein Spektakel, welches nicht lange andauert.
Ein bisschen identifiziere ich mich selbst mit diesem Bild. Meine Tage gehen so schnell um, ich sehe die Zeit kaum, die Stunden auf der Arbeit und mit den anderen Freiwilligen sind sehr farbenintensiv und jedes Mal aufs Neue anders.

Wo soll ich anfangen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es ist so viel geschehen, so vieles was ich euch gerne sagen würde. Es fällt mir aber unglaublich schwer all das in Worte zu fassen, geschweige denn es manchmal sogar ganz zu verarbeiten und wahrzunehmen.

Am 14.08.2013 begann also meine Reise in ein mir noch unbekanntes Land mit einer unbekannten Kultur, mit fremden Menschen: Ein Kulturschock im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch hat dieser nicht lange angehalten.

Als ich an meinem Abreisetag das letzte Mal hinter mich geschaut habe, war ich traurig das Gewohnte zu verlassen und mir wurde bewusst, dass ich meine Familie und Freunde  nun vorerst zum letzten Mal sehen würde.
Aber ich war in dem Moment auch so gespannt auf das Neue, es hat mich so eingenommen, dass ich gar nicht die Zeit hatte lange über den Abschied nachzudenken.


Ich habe mich von Anfang an hier im Projekt wohl gefühlt. Als ich den ersten Tag im Projekt war, saßen wir auf der Wiese und es kamen plötzlich so viele Member, auch Chaverim (Freunde) genannt, auf uns zu. Sie haben sich entweder um uns herum gesetzt, mit uns sofort geredet (wobei wir da noch gar kein Hebräisch konnten) oder doch nur neugierig geschaut. So viel Lärm, so viel Neues, was erst einmal verarbeitet werden musste.
Zunächst waren wir Volontäre nur als „die Neuen“ bekannt. Es wurde oft gefragt wie wir denn heißen würden, woher wir kommen, und und und. Mittlerweile vermisst man uns, wenn wir am Wochenende nicht da sind oder man hört von weitem unsere Namen. Alle von uns sind gleichermaßen von den Membern aufgenommen worden, was sehr angenehm ist und einem jeden Tag Freude bereitet.

Kfar Tikva ist ein Dorf für Behinderte. Insgesamt gibt es hier knapp über 200 Chaverim. Es gibt zwei Übergruppen – die geistigen Behinderungen und die seelischen Erkrankungen. Die Member werden danach eingeteilt. Medizinisch gesehen ist jemand, der vor seinem 18. Lebensjahr erkrankt, geistig behindert. Alle anderen werden der zweiten Gruppe zugeordnet. Zusätzlich gibt es Chaverim, die nur im Kfar arbeiten und nach dem Abendessen den Transit nach Hause, nach Kiryat Amal nehmen. Sie sind sehr eigenständig und brauchen keine zusätzliche Betreuung. Es ist schon zur Gewohnheit geworden, dass man einige von ihnen auf der Straße oder im Supermarkt trifft, kurz ein paar Sätze auf Hebräisch austauscht und dann wieder seinen eigenen Weg geht.
Ziel des Kfars ist es, den Membern das Gefühl zu geben, trotz ihrer Behinderung ein halbwegs normales Leben zu führen. Daher werden sie auch für ihre Arbeit bezahlt, dürfen sich frei bewegen. Das heißt auch mal nach Haifa fahren oder nach Tivon. Des Weiteren leben sie in Häusern mit Küchenzeilen, mit Badezimmern und allem was sie brauchen. Ihre Wäsche bringen sie regelmäßig zum Waschen in die Wäscherei. Sie dürfen Beziehungen führen, wir haben auch gleichgeschlechtliche Paare. Wie ich erwähnte, ein fast normales Leben.

Wir als Volontäre sollen etwas Neues in ihr, doch manchmal monotones Leben bringen. Offiziell dürfen wir auch gar nicht arbeiten. Wir sollen unterstützen. Und das stimmt. Wir haben zwar unsere Jobs, die wir über den Tag verteilt wahrnehmen müssen, aber zwischendurch reden wir mit den Membern, setzten uns zusammen auf eine Bank, machen einen Spaziergang. Auch wenn es ein ganz normales „Boker Tov“ ist, die Bewohner sind jedes Mal aufs Neue glücklich, umarmen uns und wirbeln die gesamte Zeit um uns herum. Durch unsere Einzeljobs, sollen wir etwas Freizeit gestalten. Ich gehe mit meinen Membern  in unser Kfar eigenes Kaffee (Cafe Tarbut). Wir hören Musik, besuchen die Tierfarm, die Pinat Chai. Da alle in dem gleichen Haus wohnen, komme ich sie besuchen und wir trinken zusammen mit den anderen drei Mitbewohnern Tee mit besonders viel Zucker.

Es ist wichtig, dass sie merken, dass man eine Respektperson ist aber, dass man gleichzeitig auch jemand ist, mit dem man sich unterhalten kann und der seinen Gegenüber ebenfalls respektiert.
Sie freuen sich, wenn ich komme und ich bin auch sehr zufrieden mit meinen Membern.  Sie sind alle drei auf ihre Art und Weise herausfordernd und manchmal bin ich etwas überfordert aber das bin nicht nur ich, sondern am Anfang alle ein bisschen.
Meiner Meinung nach ist es auch gut an seine Grenzen zu stoßen, da man sich selbst so oft besser kennen lernt.


Baruch haba, Willkommen im Garten.



Wie sieht mein Tag aus?
Morgens nehmen zwei oder drei Freiwillige den Transit um kurz vor sieben. Die sogenannten Morningsjobs bestehen darin, dass wir ein paar Member wecken  und sichergehen, dass sie ihren Tag zwischen sieben und halb acht beginnen.
Und auch hier merkt man schon, wie gerne uns die Bewohner haben. „Boker Tov“, „Ma schlomech?“ „Hayo“ ertönt es sobald man den Transit betritt, oder den ersten Fuß auf den Boden des Kfars stellt.
Wo wir denn waren, wie es uns gehe, was wir gemacht haben, wo wir heute arbeiten würden.

In den ersten Wochen hat jeder von uns zwölf geschaut welcher Workshop ihm am besten gefällt und wo er sich am wohlsten fühlt. Ich habe mich in der Pinat Chai sehr wohl gefühlt, gleichermaßen ging es mir im Garten. Nun arbeite ich im Garten zusammen mit drei anderen Volontären und 10 Membern.
Von 8 bis 11:30/12:00 ist jeder Freiwillige in seinem Workshop.
Wir im Garten sollen im Kfar für die Sauberkeit sorgen. Nachdem morgens alle begrüßt wurden, geht jeder automatisch an seine Arbeit. Wir sind schon nach ein paar Wochen ein eingespieltes Team gewesen. Jeder weiß, was er zu tun hat. Unsere einzige Frau im Team kümmert sich um ihren kleinen Garten. Ein Autist hat seit neustem ebenfalls einen kleinen Kaktusgarten, um den er sich kümmert während die anderen die Pflanzen und das Gemüse gießen.
Anschließend geht es weiter: entweder wir müssen im Volontärsgarten fegen, säubern, schneiden und aufräumen. Oder wir fegen an einem anderen Ort im Kfar. Die Arbeit ist sehr unterhaltsam. Jeden Morgen begrüßt uns ein Member mit einem „du Stinker du“, „Bulldog“, „Lechle Jakob“ (Geh zu Jakob). Dieser Member kann ein paar Deutschfetzen. Er arbeitet sagen wir es mal so, manchmal mehr, manchmal weniger effektiv, jedes Mal mit der Magrifa, dem Rechen, oder der Matate, dem Besen. Dadurch wird es nur umso lustiger, wenn er anfängt den Volontären bei der Arbeit Verbesserungsvorschläge zu unterbreitet oder uns sagt, wie wir denn zu arbeiten hätten.  „Du Lümmel du“, „Mit der Hand, mit der Hand“ „Mischtara, mischtara“ (Polizei, Polizei). „Und du, wo arbeitest du?“

Die Pausen um 10:00 sind jedes Mal ein Highlight. Es wird viel gesungen, sei es die Beatles, Aux Champs Elysée oder ältere Lieder. Jeder redet durcheinander, es wird gelacht. Manchmal ist die Stimmung nicht so gut, aber das kommt auch mal vor. Dann wird sich angeschrien, dann wird es auch mal laut und wir stehen manchmal als Freiwillige etwas unwissend, unvorbereitet und überfordert da. Da wir aber meistens die Socialworker erreichen können, findet sich immer eine Lösung.
Mit Obst, Tee, Miz (Saft) und Kaffee verbringen wir unsere Pause. Anschließend wird noch einmal bis halb zwölf gearbeitet.
Ein Grund mehr, weshalb ich mich jeden Morgen freue, den Garten zu betreten: Die Member sind wirklich toll. Wir haben eine Leiterin, die aber im Vergleich zu den anderen Workshops nicht jeden Tag da ist, sondern einmal die Woche mit uns arbeitet. Wir können in vielen Dingen sehr frei entscheiden. Haben wir keine Lust an einem Ort zu arbeiten, gehen wir an einen anderen. Wir können die Pause früher machen, später gestalten.
Jeden Donnerstag, bevor es den wohlverdienten Lohn gibt, wird Bowling im Garten gespielt, am Anfang der Woche, der bei uns Sonntag ist, wird Pita gebacken; Aktivitäten, die unsere Member erfreuen und gleichzeitig auch für etwas Entspannung sorgen!
Einige Projekte schweben uns vor. Wir dachten daran eventuell eine Bowlingbahn zu errichten und den Garten mit einer Kräuterschnecke zu verzieren.
Bald wird die Regenzeit beginnen und wir suchen ein paar Ideen, die wir mit unseren Membern machen können, wie zum Beispiel Windspiele und andere hübsche Dinge von denen ich sicherlich mehr in meinen nächsten Berichten schreiben werde.
Momentan haben wir auch ein Projekt mit einer Schule. Jede zweite Woche gehen vier Member und zwei Volontäre nach Tivon, um dort eine kleine Gruppe von Schülern zwischen neun und elf Jahren zu treffen. Wir kümmern uns um den Garten, pflanzen Gemüse und Blumen und Kräuter.

Wenn der Vormittag sich zu Ende neigt, geht es weiter mit dem Chadar Ochel-Dienst, (Chadar Ochel = Speisesaal). Wir wechseln uns mit dem Dienst ab. Manchmal haben wir viel Zeit zu Essen, manchmal nicht, denn ab zwölf warten wieder ein paar Jobs auf uns. Unsere Jungs kümmern sich um zwei Männer, wir Mädchen sollen entweder eine Memberin duschen oder mit einer anderen spielen, spazieren gehen , sie dazu bringen, dass sie ein wenig aus ihrem Raum rauskommt und durch das Kfar läuft, andere sieht.

Mein Lieblingsjob mittags: einen Member zum Essenssaal bringen und ihn beim Essen unterstützen. Man benötigt viel Geduld, denn er braucht für einen Weg für den ich fünf Minuten benötige manchmal, je nach Laune, auch mal 20 Minuten. Das Gegenteil beim Essen, er verschlingt regelrecht alles was vor ihm auf dem Teller liegt.
Hat er am Anfang kaum mit uns gesprochen, fängt er jetzt an sich an uns zu gewöhnen. Er lächelt mich durch seine Altersfalten an und sein sonst so grimmiges Gesicht erhellt ein wenig.
Er redet auch mehr mit mir und was mich am meisten freut ist, wenn er in seinem Tempo auf mich zugelaufen kommt, seine Hand ausstreckt und mich einfach nur anschaut.

Am Nachmittag bieten die Shinshinin, unsere israelischen Freiwilligen verschiedene Programmpunkte an. Im Cafe Tarbut können sich die Member mit ihrem verdienten Geld Kuchen, Eis und Kaffee gönnen. Sie sind stolz, wenn sie kommen, sich etwas kaufen können und dabei merken, dass sich ihre Arbeit in der letzten Woche gelohnt hat.
Fußball, Volleyball, Basketball werden angeboten. Und weit mehr Aktivitäten.
Einer von uns hat abends bis um halb sieben Dienst. Ein kleiner Spaziergang mit Membern aus dem Altersheim, der immer sehr unterhaltsam ist und dann nochmals Chadar Ochel-Dienst.
Auch abends gibt es Aktivitäten organisiert von den israelischen Freiwilligen. Eine Vorlesestunde im Altersheim, ein Filmeabend, Bingo und noch vieles mehr steht auf dem Abendplan der Bewohner.
Wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind, sei es um drei oder erst um halb sieben, der Transit steht abfahrtsbereit und bringt uns nach Hause. Man plaudert noch kurz mit dem Fahrer und schließt dann zum wohlverdienten Feierabend die Haustür auf, lässt sich auf das Sofa fallen und genießt den Abend zusammen mit den anderen.

 



In meiner Freizeit zeichne ich mit drei anderen Freiwilligen, jeden Dienstagabend treffen wir uns mit einem Socialworker aus dem Kfar, der Kunst studiert hat und zeichnen zwei Stunden. Mittwochs spielen wir mit den arabischen Workern aus dem Kfar und einigen Membern Fußball. Ich habe mit dem Gedanken gespielt einen Chor zu besuchen. Mal schauen, ob ich dieses Angebot in Tivon wahrnehmen werde.
Einmal im Monat gehen wir nach Haifa mit den israelischen Freiwilligen und ein paar Membern und schauen uns ein Basketballspiel an. Für unsere Member natürlich ein riesiges Highlight und für uns ebenfalls eine kleine Verschnaufpause, die aber trotzdem mit viel Spaß und Action verbunden ist.
Zusätzlich zu meinen  Abendaktivitäten reise ich viel durch das Land, um etwas von der Kultur und den Menschen kennenzulernen.


Von Haifa, Tel Aviv, Ceasarea, Nazareth über Jenin, Jericho, Bethlehem und Jerusalem. Das System der Deutschen Freiwilligen funktioniert gut, sodass man normalerweise gut eine Unterkunft bekommen kann. 
Das Land ist sehr vielseitig. Und es reicht nicht einen Tag in einer Stadt zu verbringen und dann zu erwarten das Land und die Leute zu verstehen. Ich merke es selbst. Ich war zum dritten Mal in Jerusalem und habe immer noch Probleme mit dieser Stadt zurechtzukommen. So viele Kulturen, die aufeinandertreffen und gleichzeitig so viel Konfliktpotenzial, das in der Luft liegt. Ich habe viel gelernt in diesen drei Monaten aber es reicht definitiv nicht, um mir eine Meinung zu bilden, geschweige denn eine  Position zu beziehen.
Tabgha war ebenfalls ein Erlebnis für sich. Eine Gruppe Volontäre und Membern aus Kfar Tikva hat sich mit Betreuern und Membern aus Beit Jala, aus Palästina, in Tabgha getroffen. Wir haben dort
drei Tage zusammen verbracht. Ziel dieses Aufeinandertreffens war es, in die andere Kultur schnuppern zu können. Für mich hat es nur gezeigt, dass die arabischen und die israelischen Traditionen sich in keiner Weise im Wege stehen sondern, dass es auch ein friedliches Zusammenleben gibt. Wir haben verschiedene Workshops angeboten, zum Beispiel Holzschiffchen gebastelt, Sport gemacht, Liba gebacken oder gemalt. An einem Abend haben wir die Sukka gebaut, an dem anderen Abend haben wir uns mit arabischer Musik begeistern lassen.

Von beiden Seiten war die Motivation sehr groß, es wurde viel geredet obwohl sie sich sprachlich nicht verständigen konnten.
Tagbha war für mich ein Ort, an dem ich mich sehr wohlgefühlt habe und der ein bisschen dem Paradies glich.

 


 

Jerusalem und die Mauer in Bethlehem.



      
 
 





 So, was bleibt mir noch zu sagen? Ich schreibe einen Blog und versuche ihn regelmäßig zu aktualisieren. Da ich aber nicht oft zu Hause bin, fällt mir das etwas schwerer.
Wichtig für mich ist es, auch hier noch einmal jedem für die Unterstützung zu danken. Ich bin sehr glücklich in meinem Projekt und erfreue mich an jedem Tag meiner Arbeit nachzugehen. Es erfüllt mich. Jeder Tag ist für mich aufs Neue eine Herausforderung, die ich versuche mit Erfolg zu meistern.

Nach einem kurzen, nicht geplanten und überraschenden Zwischenstopp in Deutschland ist mir bewusst geworden, wie sehr ich mich innerhalb der ersten drei Monate in das Land verliebt habe. Der Drang nach „Hause“ zurückzufahren und die Vorfreude waren dann doch sehr groß. Und mir ist gleichzeitig bewusst geworden, welche guten Freundschaften sich in so kurzer Zeit gebildet haben.
Sie haben mich in der Woche vor meiner Abreise nach Deutschland sehr unterstützt und haben mich immer dann abgelenkt, wenn ich es brauchte.

Danke an die Diakonie, dass sie mir das ermöglicht hat und danke an alle meine Spender, Blogverfolger, Familie und Freunde, die mich tatkräftig unterstützen in allem was ich tue und hinter mir stehen.  Ohne euch könnte ich nicht diese wunderbaren Erfahrungen machen und  an den neuen Herausforderungen wachsen. Ich habe mich sehr verändert und denke, dass ich innerhalb der nächsten neun Monate noch weitere Veränderungen über mich ergehen lassen muss! ;-)
Ich freue mich über jeden Gedanken, über jedes kleine Wort, welches in meinem Mail Fach eingeht oder per Post ankommt. Ich kann eine schnelle Antwort nicht versprechen, aber ich freue mich jetzt schon sehr darüber.

Dann bleibt mir hier nur noch ein Schalom, lehitraot und toda raba zu sagen.

Eure Maité

Sonntag, 27. Oktober 2013

Tabgha - a little bit like heaven



Was ist das für ein Bild?
Schon eine kleine Weile her, aber hier nun der Bericht über Tabgha. Eine Reise, die mich sehr bewegt hat. Warum, wartet es ab!
Theresia, Rebekka, Mathis und ich sind am 23.9. mit 13 Membern und Eran für zweieinhalb Tage nach Tabgha gefahren. Tabgha ist eine christliche Pilgerstätte und liegt direkt am See Genezareth.
Ein wunderschöner Ort, der sehr einladend und idyllisch ist und ein bisschen der paradiesischen Vorstellung gleichen könnte. Eine Begegnungsstätte genau passend für unsere Zwecke!



Wir vertretend für Kfar Tikva, haben dort eine etwas größere Gruppe von Beit Jala aus dem Westjordanland getroffen.  Das Lifegate ist für Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung. Sie wohnen nicht dort aber haben die Möglichkeit die Arbeit auszuführen, die sie können. Wenn sich jemand dafür interessiert hier der Link: http://www.lifegate-reha.de/
Es lohnt sich definitiv einmal reinzuschauen!

Als wir ankamen, waren die anderen noch nicht da. Wir hatten zuvor Pläne gemacht, welcher Freiwilliger mit welchem Zimmer arbeitet, das heißt kocht und aufräumt und auch ein bisschen Verantwortung für diese trägt.
Also haben wir erstmal die Betten bezogen und uns eingerichtet, einige sind sofort schwimmen gegangen. Wir haben Spiele gespielt, gegessen und als die Leute vom Lifegate kamen eine kleine Kennenlernrunde gemacht. Da Sukkot war, haben wir die Sukka gebaut. Alle haben tatkräftig mitgearbeitet und angefasst. Der Abend rückte näher, wir machten erste Annäherungsversuche und halfen Nabil, dem Betreuer und seiner Crew beim Abendessen vorbereiten.
Der Abend hat mich umgehauen. Wir saßen gemischt an den Tischen und haben uns unterhalten. Ich saß neben einer Frau von Beit Jala, seit 50 Jahren dort. Sie hat keine Beine mehr und sitzt in einem Rollstuhl. Sie war mir am Nachmittag schon aufgefallen. Sie saß am Poolrand, in ihrem Stuhl und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen. Es hat mich so beeindruckt, dass ich mich am Abend auf jeden Fall mit ihr unterhalten wollte. Tolle Atmosphäre, die sich aber im Laufe des Abends noch stark verbessern würde.
Nach dem Abwasch wurde die Trommel rausgeholt. Man saß zusammen und Nabil hat angefangen Musik zu machen. Ich glaube, das war der Zeitpunkt wo ich mich doch ein bisschen in die Musik und in die Kultur verliebt habe!
Selbst unsere Member haben getrommelt und das so richtig gut. Dass man sich trotz der unterschiedlichen Sprachen so gut unterhalten kann, konnte man an diesem Abend perfekt sehen.
Die Stimmung war so gelassen, keiner hat sich gewehrt mitzumachen, keiner war schlecht gelaunt. Es war wirklich ein bisschen wie im Paradies.




 
 
 

Wir haben unsere Leute dann ins Bett gebracht und mit den Freiwilligen aus Tabgha zusammengesessen und den Tag ausklingen lassen.
 
Am zweiten Tag hatten wir vier drei Workshops vorbereitet.
Zunächst mussten wir unsere Member wecken, das Frühstück vorbereiten und wieder abwaschen.
Der erste Workshop war Backen: Theresia hat draußen an einer Grillstelle Liba gemacht. Die Member waren begeistert und haben super mitgebacken. Gleichermaßen bei der Sportaktivität, die Mathis vorbereitet und zusammen mit Nabil geleitet hat. Nabil hatte solch eine Power und hat die Member so gut motivieren können, dass alle viel, viel Spaß hatten.
Die letzte Station war der Workshop von Rebekka und mir. Wir haben aus gesammelten Holzstückchen und einer Schnur Boote gebastelt. Am Anfang dachten wir, dass es nicht so gut klappen würde wie gedacht. Aber wie man am Abend schließlich selbst sehen konnte war es ein schöner Abschluss, später mehr dazu.
Nach dem Mittagessen, haben wir Steine gesammelt, um sie anschließend zu bemalen. Andere waren auch noch im Pool. Der erste Abend war wie schon erwähnt vom Lifegate gestaltet worden, der zweite sollte nun in der Sukka stattfinden und einen kleinen Einblick in die israelische Kultur geben.
Wir mussten bekochen: viel zu tun für eine kleine Crew. Wir standen lange in der Küche, sowohl vorher, als auch beim Abwasch nachher.
Dafür wurde der Abend ein Erfolg: wir haben gesungen, wobei das eher verhalten war. Später haben Rebekka und ich mit der Membern die Boote auf das Wasser gesetzt, dazu die Trommel im Hintergrund, ein sehr schöner Abschluss.
Am Abend selbst hat sich der Betreuer vom Lifegate noch die Zeit genommen sich mit mir hinzusetzen und mit mir ein paar erste arabische Vokabeln aufzuschreiben.  
Fazit: ein zweiter perfekter Abend!
 
 








 
 
Alle wollten Fotos, einen drücken und mit einem reden. Und ich muss sagen, dass ich von der Lebensfreude, der nicht endende Motivation und der gelösten Atmosphäre so ergriffen war, dass dieser Abend sich sehr in meinen Kopf geprägt hat.
 
Am nächsten Tag auch schon der Abschied. In einem Kreis, Hand in Hand haben wir uns verabschiedet, die Member von Tabgha haben uns ein kleines Geschenk mit auf den Weg gegeben.
Einer von ihnen hat sogar ein bisschen geweint.
Ach, der Bericht hätte schon vor längerem geschrieben werden sollen, deswegen kann ich jetzt auch sagen, dass ich glücklich nach Hause gegangen bin; die Member auch. Jetzt auch einen Monat später, kommen sie zu uns, fragen uns wie es uns geht und manch einer spricht auch noch von Tabgha!
 
Bis Bald (und Entschuldigung für die große Verspätung)!
 
 
Eure Maité 
 
 
 
Bonjour tout le monde.
 
Je sais, je n'ai pas écrit depuis un certain temps. Je voulais vous raconter le voyage que j'ai vécu à Tabgha et je voulais aussi partager mes impressions avec vous!
Theresia, Rebekka, Mathis et moi, nous sommes partis le 23.9.13 à Tabgha avec notre moniteur Eran et 13 handicapés. Tabgha est un lieu de pèlerinage (j'espère que c'est le bon mot) qui se trouve directement au lac de Génésareth.
C'est un lieu idyllique, très beau et un lieu idéal pour des rencontres.
Nous, au nom de Kfar Tikva,  avons fait la connaissance et la rencontre des handicapés et des moniteurs de Beit Jala venant Cisjordanie. Les handicapés ne vivent pas dans le centre. Ils y travaillent. Si cela vous intéresse, jetez un oeil  sur le site: www.lifegate-reha.de
 
Avant d'arriver nous avons fait un plan: Quel bénévole travaille avec quels handicapés, cela veut dire, qui fait la cuisine, la vaisselle,...
Comme les gens de Beit Jala n'étaient pas encore là nous nous sommes installés dans nos chambres, nous avons nagé et joué. Un peu plus tard nous étions réunis, nous avons commencé à batir la Sukka.
Tout le monde a aidé et nous avons fini très vite. Puis la Crew de Beit Jala a préparé le dinner. Comme nos handicapés ne parlaient pas l'arabe et ceux de Beit Jala pas l'hébreu nous avons commencé petit à petit à nous rapprocher. Je me suis assise à côté d'une femme dans un fauteuil roulant. Elle est à Beit Jala depuis 50 ans, n'a plus de jambes, mais à toujours un sourir sur ses lèvres. Cela m'a tellement impressioné, que je voulais absolument parler avec elle pendant la soirée.
Après avoir fait la vaisselle Nabil, le moniteur du Lifegate a sorti le tambour et a commencé à faire de la musique. Je suis très surprise mais aussi très contente de voir que l'on peut communiquer entre differentes cultures avec differentes langues.
 
Nous avons accompagné nos membres danc leurs chambres puis nous nous sommes assis chez les autres bénévoles qui travaillent à Tabgha.
 
Nous avons commencé notre deuxième jour en préparant quelque chose à manger. Puis nous avons travaillé en petit group. Theresia a fait Liba, cet un plat traditional pour Sukkot. Tout le monde a bien travaillé et s'est réjouis. Un autre group à fait du sport. Là aussi l'atmosphère était parfaite! Nabil, le moniteur avait tant motivation que tout le monde s'est très bien amusés.
Rebekka et moi nous avons travaillé avec und petit group.
Nous avons cherché des petits morceaux de bois, puis nous avons construit des bateaux.  Ce n'était pas très facile mais à la fin le succès était grand. Pendant l'après-midi, nous avons cherché des pierres. Comme vous pouvez voir sur l'une des photos, les pierres avec des couleurs sont plus jolies, nachon? ;)
 
Nous avons fêté Sukkot dans la Sukka. Un peu de cultures arabe pendant la première soirée, un petit peu de cultures israélienne pendant la deuxième soirée.
La soirée était superbe! Nous avons chanté puis nous avons mis les bateaux sur l'eau. Avec les bougies et la musique arabique - Parfait. J'y pense souvent, et je suis très contente!
 
Le troisième jour: le jour du départ, un jour un peu triste. Nous avons fait un cercle, main en main nous avons fait nos adieux puis les membres de Tabgha nous on fait un petit cadeau.
 
Bon pardonnez-moi que je n'ai écrit que maintenant et pardonnez-moi aussi mes fautes d'ortographe. J'ai oublié, mais je pense que vous allez quand même comprendre.
 
Bisous et à plus, laila tov!
 
Maité

Montag, 30. September 2013

Jom Kippur

So hier nun die Fortsetzung.

Am 13.9. war Jom Kippur, der Versöhnungstag und der wichtigste Feiertag der Israelis.
An Jom Kippur ist auf den Straßen nicht los. Kein Auto fährt, der ganze Straßenverkehr ist eingestellt. Wie einige auf einem Foto schon gesehen haben, ich konnte auf der Straße sitzen. Man hätte auch auf der Straße übernachten können. Sieben von uns waren in Tabgha, ich musste mit zwei anderen arbeiten. Ein ganz normaler Shabbat-Dienst, wobei die Member selbst gemerkt haben, dass ein Feiertag ist. Sie waren nervös, unmotiviert, zappelig, aggressiv teilweise. Aber es hat alles funktioniert. An diesem Tag mussten wir auch den Musikraum öffnen (den Listeningroom). Eigentlich sehr ruhig. Die Member kommen, setzten sich hin und hören Musik mit ihren Kopfhören. Dann gehen sie wieder und neue setzen sich. Eigentlich hätten wir nur bis zwölf/halb eins arbeiten müssen, aber auf Grund des Feiertags, sind wir bis um sieben geblieben. Ich bin das erste Mal früh ins Bett gegangen. Ansonsten war ich immer nach ein/zwei Uhr im Bett, da wir aber alle erschöpft waren sind wir früh schlafen gegangen. Der zweite Tag war unglaublich chaotisch, ein Member hat dem anderen Kaffee ins Gesicht geschüttet, generell waren alle noch relativ nervös und angespannt.

Dann war ich auch wieder Bowlen. Ich muss sagen, dass es das erste Mal war, an dem ich ein wenig an meine Grenzen gestoßen bin. Ein Member hat sich geweigert auszusteigen und ist auch etwas handgreiflich geworden. Nichts schlimmes, aber ich konnte mich kaum mit ihm verständigen weil ich ihn auch kaum kannte. Zum Glück ist mir Eran über den Weg gelaufen und hat mir bei der Sache geholfen.

Wieder ein Feiertag: Sukkot (vom 19.9. bis zum 25.9.). Sukkot, auf Deutsch Laubhüttenfest, ist genau fünf Tage nach Jom Kippur. Er dauert sieben Tage und soll an den Auszug aus Ägypten erinnern. Es soll den Menschen ins Gedächtnis rufen wie die Israelis gewohnt haben. Die Sukka ist eine Hütte bestückt mit Palmenblättern. Das Dach muss aber nur so bedeckt sein, dass man die Sterne sehen kann.
Einige Juden übernachten in dieser Zeit auch in ihren Hütten.

Am 18.9. sind also Miriam, Milena, Malin, Roman, Markus, Jeremias und ich nach Jerusalem gefahren. Dank meines Orientierungssinns sind wir erstmal in die falsche Richtung gelaufen. Wir sind in Jerusalem nicht in dieser Gruppenkonstellation geblieben. Roman, Markus, Jeremias und ich haben uns zusammen ein Hostel gesucht. Am Abend haben wir es uns gut gehen lassen. Am nächsten Tag sind wir die typische Touristentour abgelaufen. das bedeutet: Klagemauer, Grabeskirche und Erlöserkirche. Ein kleiner Gang über den Suq, ein bisschen handeln und dann in Richtung Ölberg.
Ich muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht gewesen bin was die Klagemauer betrifft. Wir waren leider an einem ungünstigen Augenblick dort. Nur Touristen, wir haben kaum etwas von der Religion und dem Glauben mitbekommen. Ich hätte mir mehr erwartet. Wir hätten am Besten an Shabbat gehen müssen, daran haben wir aber nicht gedacht. In der Grabeskirche dann der nächste Schock. Ich habe noch nie (Entschuldigung) so verrückte Christen erlebt. Ein Mann hat zwanzig Minuten lang ein Bild von Jesus geküsst. Frauen, die weinend auf einem Stein gelegen haben, auf dem angeblich Jesus gelaufen sein soll.


Die Klagemauer
 

Grabeskirche


Dieser krasser Aberglaube, diese teilweise doch sehr dominante Religiosität in der Grabeskirche hat bewirkt, dass ich erstmal eine Zeit lang sprachlos war. Von der Erlöserkirche den steilen Weg hoch zum Ölberg. Vom Ölberg haben wir den Sonnenuntergang beobachtet und hatten einen fantastischen Blick über Jerusalem.

Und man konnte von dort aus auch gut einen Teil von der Mauer sehen, wir ihr auf dem Bild erkennen könnt! Es ist der Wahnsinn wie klein dieses Land doch sein kann und doch so viel Konfliktpotenzial hat, so viel was man entdecken muss und so viel was noch auf einen wartet.



Zurück sind wir am orthodoxischen Friedhof vorbei, an der Altstadtmauer entlang, um zu unserem Hostel zu kommen. Wir haben Volontäre aus der Nähe von Tel Aviv getroffen und sind noch hoch auf die Altstadtmauer.  Am Abend habe ich noch zwei Franzosen, darunter ein Algerier, kennengelernt. Mit denen habe ich sehr interessante Gespräche über Palästina und den Konflikt geführt und vor allem endlich wieder richtig französisch gesprochen.

Am nächsten Tag war ich mit Jeremias und Roman in Jericho. Das war ein richtig schöner Tag! Wir konnten uns zunächst kaum aufraffen und waren unschlüssig bezüglich des Zieles. Schließlich sind wir nach Jericho gefahren. Aber das wandern durch die Wüste haben wir auch gestrichen, zu wenig Zeit. In der Stadt selbst haben wir dann gemerkt, dass generell Touristen sehr fremd sind, da fast nie welche dort sind. Die Kinder haben uns angestarrt, sind uns hinterhergelaufen und sogar mit dem Fahrrad hinterhergefahren, haben gelacht und hinterher gerufen. Auch die Häuser und die Landschaft - total anders. Wir haben uns kurzerhand entschlossen die 10 Kilometer zum Toten Meer zu laufen. Wir sind über Felder, Müllhalden gelaufen und haben dann eine Ziegenherde überholt. Diese gehörte Beduinen. Als wir kurz Pause gemacht haben, haben uns die Beduinen zu sich nach Hause eingeladen. So nun saßen wir drei Deutsche umrundet von vielen Beduinen. Die Kinder haben uns neugierig und auch ängstlich angeschaut. Einer von den Erwachsenen konnte glücklicherweise ein bisschen hebräisch, was die Kommunikation um einiges vereinfacht hat. Erster Schock: Ein Mann kam und hat den beiden Jungs die Hand gegeben und mich komplett ignoriert. Wiederum kamen Frauen und haben den Jungs keinerlei Beachtung bei der Begrüßung geschenkt. Für mich als Deutsche war es selbstverständlich dem Mann ebenfalls die Hand zu reichen. Sie haben uns Brot geschenkt, mit uns Tee getrunken. Die Frauen haben mir die ganze Zeit auf die Hände geschaut, bis ich verstanden habe, dass sie sich meinen Ring angesehen haben. Warum? Sie dachten ich sei verheiratet mit einem von den Jungs. Dann haben sie uns gefragt wie es denn sein kann dass sich eine Französin und zwei Deutsche treffen und sich so gut unterhalten können. Die Kinder haben auf jedes Wort der Älteren gehört und haben sehr viel Respekt auch ihnen gegenüber gezeigt.
Man hat uns nach diesem wundervollen Besuch mit dem Traktor zurück nach Jericho gefahren. Von dort aus sind wir über ein paar Umwege, beziehungsweise nach längerer Suche nach einem Sherut nach Bethlehem gefahren. Von dort an der Mauer entlang durch den Checkpoint durch wieder nach Jerusalem. Ich habe mich in meinen 19 Jahren noch nie so eingeengt gefühlt wie an diesem Tag. Die Mauer ist bedrückend und wenn man sich die Bilder auf der Mauer ansieht und sich die Texte bewusst durchliest versteht man dieses Gefühl!


Jericho, unser Weg Richtung Totes Meer


 
Bei den Beduinen





Sonnenuntergang von den Beduinenzelten aus


Die Mauer (schaut euch die Bilder an und urteilt selbst)









Mit diesen Eindrücken ist eine schöne erste Reise in die Heilige Stadt zu Ende gegangen.
Und wir sind auch mit dem Regen gegangen. Nach fünf Minuten regen sind alle Straßen voller Wasser gewesen, da alle Gullis übergelaufen sind. Es war angenehm, wobei es in Jerusalem kälter ist und ich nicht an einen Pulli gedacht hatte.

So nun denkt ihr: Maité ist nur am Reisen, irgendwo stimmt es schon aber ich arbeite trotzdem viel.
Die Arbeit macht mir immer noch unheimlich viel Spaß. Jeden Tag lerne ich mehr hebräisch und arabisch und jeden Tag werde ich besser, auch ohne Unterricht. Ich versuche viel zu lernen, weil ich mich sehr freue, wenn ich mich mit den Leuten unterhalten kann.
Im Garten fühle ich mich sehr wohl. Auch wenn es natürlich Tage gibt an denen alles aus dem Ruder läuft und man vielleicht etwas überfordert ist - sobald sie anfangen zu singen und zu lachen geht einem das Herz auf. Die Pausen sind immer etwas besonderes. Wenn Tee, Kaffee und Milch getrunken wird, Früchte verteilt werden und alle anfangen zu reden, zu singen sind alle glücklich.
Bald ist es soweit und jedem Freiwilligen werden zwei bis drei Member zugeteilt, um die er sich das Jahr über kümmern wird. Ich bin schon sehr gespannt, wen ich so bekommen werde und wie gut wir harmonieren werden.
Ich darf im Kfar jetzt auch für die Website Fotos machen, das freut mich natürlich auch sehr!
Momentan arbeite ich auch ab und zu auf den Olivenfeldern mit, was auch Spaß macht. Es ist viel zu tun aber es ist auch abwechslungsreich.

So mein zweiter Bericht. Der dritte über Tabgha folgt noch.
Laila tov!
Maité



Salut tout le monde, c'est encore moi. La deuxième partie:


Le 13.9. nous avons fêté Jom Kippur,, le jour férié le plus important des Israéliens. Pas de voiture sur les routes, pas de circulation. Comme quelques un d’entre vous ont déjà vu sur la photo, je pouvais rester assise sur la route sans avoir peur. J’aurais même pu dormir sur la rue. Sept bénévoles sont allés à Tabgha, moi j’ai travaillé. Le travail était comme toujours, mais les handicapés étaient nerveux et agressifs.  Nous avons ouvert la pièce de musique pour les handicapés. Ils pouvaient s’assoir et suivre les paroles de leurs chanteurs préférés.

La semaine du 13. j’ai accompagné quelques membres jouer au bowling.  Je dois avouer que c’était la première fois ou je me suis sentie un peu dépassé. Un membre n’a pas voulu sortir du bus et je ne pouvais rien faire. Par bonheur Eran, celui qui nous supervise, m’a aidé.

Encore un jour (une semaine) férié du 19.9. au 25.9. : Sukkot – en français : la fête des Tabernacles (si c’est bien la traduction). Sept jours. Les israéliens doivent se souvenir  l’exode de l’Egypte, comment les gens ont vécu. Aujourd’hui les juifs dorment dès fois dans leurs tentes. Les feuilles de palmiers ne doivent couvrir que peu du toit pour pouvoir regarder les étoiles.

Le 18.9. Miriam, Milena, Roman, Markus, Jeremias et moi, nous sommes allés à Jérusalem. Nous avons pris le mauvais chemin, mais après un moment nous avons trouvé le bon et nous sommes arrivés à notre auberge de jeunesse. Roman, Markus, Jeremias et moi nous sommes restés ensemble, les autres ont retrouvé d’autres bénévoles de leur organisation. Le premier jour, nous avons visité les places touristiques : le mur des lamentations, la Sainte Sépulture.  J’étais un peu déçue parce que mes attentes n’étaient pas satisfaites. Au mur des lamentations trop de touristes, à la Sainte Sépulture trop de gens religieux : les gens étaient couchés sur une pierre en train de pleurer, un homme a embrasser une photo de Jesus pendant au moins vingt minutes.
J’ai eu du mal à retrouver mes mots, ce qui – comme vous savez très bien n’arrive pas souvent.
Après nous sommes allés sur la montagne des olives pour regarder le coucher de soleil.
Le soir j’ai rencontré deux français. Nous avons parlé de l’Algérie, de la Palestine et du conflit. Très intéressant. Et j’étais tellement heureuse de pouvoir parler français!

Le deuxième jour je suis allée à Jéricho ensemble avec Roman et Jeremias. D’abord nous avons eu des problèmes à trouver une destination mais après un certain temps nous avons décidé d’aller à Jéricho. Nous avons fait la rencontre de bédouins super sympa. Plus de vingt personnes nous ont regardé, mon demandé si j’étais marié à cause de ma bague. Ils nous ont invité à prendre un café avec eux et nous ont donné du pain. Plus tard ils nous ont ramené à Jéricho. Nous avons d’abord voulu allé à la mer morte, heureusement que nous avons rencontré cette famille, une expérience très intéressante et enrichissante. Je retournerais, quand j’aurais appris plus l’arabe.Au retour nous avons passé la « frontière ». Choquant, vraiment choquant. Je ne me suis encore jamais senti tellement à l’étroit. Je crois que les photos que vous pouvez voir parlent d’eux-mêmes. La première pluie nous a accompagné vers le bus.  Un voyage très enrichissant mais aussi épuisant.

Bon maintenant vous pensé surement que je voyage tout le temps. Vous avez quelque part raison. C’est l’avantage ici. Je ne mets que deux, trois heures à aller d’une destination á l’autre.
Le travail me plaît toujours beaucoup. Mon hébreu devient de plus en plus mieux, j’ai commencé à apprendre l’arabe. Comme je parle beaucoup avec les Arabes qui travaillent dans le Kfar je suis obligé de parler hébreu.
Je me réjouis du travail dans le jardin. Nous sommes toujours en train de chanter, et de rigoler. Il y a des jours ou rien ne va comme il faut. Mais c’est tout á fait normal.
Bientôt Eran va nous donner deux ou trois membres. Nous allons devoir nous occupé d’eux. En ce moment je travaille aussi sur ( ?) les oliviers.

Bon mon deuxième rapport est fait. Le troisième va suivre.

Laila tov
Maité

(Sur les photos 1-5 vous pouvez voir Jerusalem ; après Jéricho et Bethlehem avec le mur.)

Freitag, 27. September 2013

Der Monat der jüdischen/israelischen Feiertage / Septembre un mois avec plein de jours fériés

So meine Lieben, ja mich gibt es auch noch.

Langsam wird es kühler, wobei wir immer noch um die 30 Grad haben.
Ich habe etwas aufzuholen, dadurch dass ich die ganzen letzten Tage weg war. Wo war ich stehen geblieben? Ich glaube bei Rosh-ha shana, nachon?

Rosh-has shana ist das Neue Jahr für die Israelis. Es geht über zehn Tage lang und endet mit Jom Kippur, dem Versöhnungstag der Israelis, dem höchsten Feiertag.
Das heißt, dass ich mich im Moment im Jahre 5774 befinde.

Am 2.9. haben wir erst mit den Membern gefeiert. Es wurde gesungen und getanzt. Einige Member haben dann ihre Wünsche für dieses Jahr geäußert. Der ganze Speisesaal war gefüllt, die Atmosphäre war super und auch auf den Gesichtern der Member hat sich eine gewisse Gelassenheit und Ruhe breit gemacht.


Da es ein Feiertag war, sind wir als kleine Gruppe nach Tel Aviv gefahren. Am ersten Tag haben wir einen Geburtstag gefeiert, während alle Israelis das Neue Jahr zelebriert haben. Am nächsten Tag ist eine Gruppe zu einem Konzert in Tel Aviv gefahren, die andere ans Meer außerhalb von der Stadt. Ich war also den ganzen Nachmittag alleine und eigentlich auch den ganzen Abend. Aber ich habe die Zeit genutzt, um zu entspannen und mir die Zeit für mich zu nehmen. Ich saß glaube ich sechs Stunden auf einem Felsen und habe geschrieben, mir die Wellen angeschaut und mich mit ein paar netten Leuten unterhalten.
Ich habe mir etwas zu essen gekauft und mich einfach niedergelassen.

 

Ich hatte meine Zahnbürste vergessen und mein Duschzeug auch. Aus diesem Grund war ich wirklich sehr, sehr froh, dass ich mich nach zwei/drei Tagen wieder frisch machen konnte.

Ein paar Tage später bin ich das erste Mal in die Heilige Stadt gefahren. Tobias und Mathis sind mit mir mitgekommen. Wir sind um zwölf losgefahren und um sieben Uhr abends angekommen. Die Fahrt war ein richtiger Akt: Wir haben versucht einen Tramp von Tel Aviv nach Jerusalem zu bekommen. Da aber Shabbat war hat es etwas gedauert und dann haben wir doch ein Sherut genommen. Wir haben dort Jeremias und das Filmteam getroffen, um sie zu verabschieden. Viel haben wir nicht von Jerusalem gesehen aber es war trotzdem ein sehr schöner Abend. Ich habe gar nicht geschlafen, da wir im Hostel auf dem Dach geschlafen haben und der Muezzin um halb fünf angefangen hat zu singen. Ich musste um sechs zum Bus laufen, da ich arbeiten musste. Der Arbeitstag war etwas schleppend, ich war sehr müde, aber dafür hat es sich gelohnt!

Das Schöne hier in Israel ist, dass man tagsüber arbeiten kann und nachmittags/abends nochmal wegfahren kann. Ich bin nämlich am nächsten Tag nochmal nach Haifa an den Strand gefahren. Ich war dort mit ein paar anderen Freiwilligen und habe wie immer den Sonnenuntergang beobachtet. Es ist witzig, dass die Sonne hier so schnell untergeht.


Da ich noch einiges zu erzählen habe teile ich meinen Bericht etwas auf, sodass ihr nicht alles sofort lesen müsst. Im nächsten Bericht also mehr!

Liebe Grüße
Maité




Bonjour tout le monde. Oui je suis encore vivante!

Il fait encore très chaud, 30°. Mais nous avons plus de vent et plus de nuages - l'automne commence.
Septembre est un mois avec beaucoup de jours de fériés. C'est pourquoi je ne vous ai pas écrit. J'ai tant de choses à vous raconter, mais je ne vais pas tout écrire en une fois.

Je commence avec Rosh-ha Shana. Rosh-ha Shana est le nouvel an pour les Israeliens. Pendant dix jours les Israeliens font la fête et elle termine avec Jom Kippur (dixième jour). Donc en ce Moment je me trouve dans l'année 5774.
Nous avons célébré le nouvel an dans le Kfar, avec les handicapés . L'atmosphère était super. Nous avons dancé et chanté - tout le monde était content, les handicapés étaient calmes et heureux.

Puis un petit group a pris le bus vers Tel Aviv, parce que nous avons eu un jour de congé. Je me suis retrouvée toute seule à Tel Aviv parce qu'un group est allé voir un concert, l'autre est parti à la mer. Donc je me suis assise sur un rocher et j'ai commencé à écrire pendant à peu près cinq heures ou six heures je ne le sais plus exactement.
J'avais besoins de prendre le temps pour moi, pour réflechir et revivre les dernières semaines dans mes pensées.
J'ai parlé avec des gens, je me suis achetée à manger comme vous pouvez voir sur la photo en haut.
J'ai même eu la chance de pouvoir participer à un coucher de soleil magnifique!
Comme j'avais oublié ma brosse à dent et mon shampoing j'étais très heuereuse de revoir notre salle de bains.

Je vous ai parlé du group qui nous a filmé: Tobias, Mathis et moi nous sommes partis quelques jours plus tard pour les rejoindre à Jerusalem pour fêter leur départ. Nous sommes partis vers midi et nous sommes arrivés vers sept heures le soir. Super hein?
Personne voulais s'arrêter donc nous avons décidé de prendre un Sherut.
Je n'ai pas vu grand chose mais la soirée étais quand même réussite. Je n'ai pas dormi de la nuit parce que nous avons dormi sur le toit du centre d'hébergement.
Je me suis couché tard et le Muezzin a commencé à chanter. Je devais prendre le bus vers six heures et demi. Je suis arrivée à la maison, je suis allée directement travailler.

Ce qui est bien ici en Israel c'est qu'on peut travailler jusqu'en après-midi ou jusqu'au soir et on a quand même la possibilité de partir. Par exemple je suis allée à Haifa à la mer un jour après être revenue de Haifa. J'ai nagé, parlé avec des copains.
Voilà la première partie. A plus

Maité