Samstag, 25. Januar 2014

Weihnachten und Silvester


Halli hallo


ich komme gerade von meinem Kurzurlaub in Nablus zurück und kann nun weiter meine Berichte schreiben.


Am 24.12. sind alle Volontäre nach Jerusalem gefahren um dort gemeinsam Weihnachten zu feiern. Am 25. hatten alle frei, aus diesem Grund konnten wir die Zeit sehr genießen.
Wir sind getrennt losgefahren, einige mit dem Auto, einige mit dem Bus. Wir haben uns in Jerusalem in einem kleinen Café getroffen, sind dann zusammen losmarschiert, um andere Vollis aus der Stadt zu treffen.
 
In einem Restaurant haben wir den Abend anklingen lassen. Ein gemütliches Beisammensein, eine angenehme Atmosphäre und viel Geplaudere hat alles etwas aufgelockert.
Das Essen war kein typisch deutsches oder französisches Weihnachtsessen, dennoch sehr lecker.

Vor dem Essen hatten ein paar von uns die Karten für den Gottesdienst in der Erlöserkirche geholt, sodass wir ohne anzustehen nach dem Abendessen direkt in der Erlöserkirche Platz nehmen konnten.
Die Weihnachtsgeschichte in der evangelischen Kirche wurde in verschiedenen Sprachen gehalten, so zum Beispiel in Deutsch, Französisch, Arabisch und Hebräisch.  Nach dem mit Kerzenlichtern erhellten Gottesdienst, sind wir mit einer größeren Gruppe deutscher Volontären nach Bethlehem gelaufen.
Ein Weg an der Straße entlang, 2 1/2 bis 3 Stunden, brachte uns zum Checkpoint. Wir wussten nicht wie es gerade an Weihnachten ablaufen würde, somit waren wir etwas nervös und die weihnachtliche Stimmung war etwas gebrochen, gerade als wir auch wieder entlang der Mauer laufen mussten, bevor das letzte Stück Richtung Ziel beginnen konnte.
Aber in Bethlehem selbst waren die Straßen geschmückt, erleuchtet von Sternen und einem großen Tannenbaum. Die Andacht in der Geburtskirche war leider etwas kürzer als erhofft und wir sind dann mit Taxen zurück zum Checkpoint und von dort aus ganz müde zur CBS Central Bus Station in Jerusalem gefahren.
Da es noch nicht 7 Uhr war mussten wir in der Kälte vor dem Eingang zitternd warten, konnten dann endlich rein und nach einem heißen Kakao den Weg nach Hause antreten.








Zu Hause haben wir erst einmal lange geschlafen und dann zusammen bei Kaffee und Keksen die Geschenke aus Deutschland ausgepackt.
Es war ein tolles Weihnachten. Man musste sich auf etwas Neues einstellen und das hat die ganze Reise auch so wertvoll und einmalig gemacht.
Wer erlebt schon Weihnachten in Israel und dann auch noch in Bethlehem????


So nun zu etwas anderem. Ein paar Tage später kam noch Silvester dazu.
Einige von uns hatten den 1. andere den 2.1. frei.

Roman, Theres, Milena und ich sind schon am 31. früh losgefahren um ein wenig den Tag genießen zu können.
Wir sind mit dem Bus nach Tel Aviv und von dort aus erst einmal Richtung Hostel von Milena gelaufen.
Sie hat ihre Sachen abgelegt und wir sind weiter nach Jaffa gegangen. Wir lagen am Wasser, haben ein bisschen was gegessen bevor die anderen dazugekommen sind.
Die Silvesterfeier war nicht so wie wir es uns vorgestellt haben. Eine große Stadt, keiner hatte über den Ablauf des Abends nachgedacht und es war alles etwas hektisch.
Mit ein paar anderen Freiwilligen haben wir auf dem Dach unseres Hostels angestoßen, Fotos gemacht und das doch überraschende kleine Feuerwerk genossen.

Dann ging es weiter durch die Straßen von Tel Aviv auf der Suche nach Bars, Clubs oder anderen Orten zum Feiern.
Wir haben uns letztendlich aufgeteilt und auch im Florentinviertel, wo es mich mit ein paar anderen hinzog, konnten wir keine Bar betreten: Erst ab 25!!!

So sind wir durch die Straßen Jaffo's gelaufen und sind gegen vier Uhr morgens ins Bett gegangen.
Am nächsten Tag sind Roman, Theres und ich durch Jaffo geschlendert, haben uns ein paar Läden angeschaut und sind durch Zufall in einen Laden gelangt, der von einem französischen Künstler gehalten wird.
Wir sind am Abend zurückgekehrt und waren ziemlich glücklich aber auch sehr sehr müde.

So das war unser Weihnachtsfest,
Danke an alle, die an mich gedacht haben in der Weihnachtszeit!
Mir geht es sehr gut und ich freue mich über jeden weiteren Tag, den ich in meinem Projekt verbringen darf!

Eure Maité




Dienstag, 14. Januar 2014

Weihnachtsfest in Israel

Hallo,


ein Artikel folgt dem anderen, da ich so viel verpasst habe, dass ich nun sehr viel Stoff zum Schreiben habe ;)

Am 22. Dezember haben wir als Volontärsgruppe eine kleine Weihnachtsfeier für unsere israelischen Volontäre, unserem Leiter und seiner Familie und zwei Workshopleiterinnen veranstaltet.

Wir hatten schon an den Vortagen mit den Vorbereitungen angefangen. Das heißt, die Pastete wurde vorbereitet, der Rotkohl und weitere leckere Dinge, wie zum Beispiel eine Flädlesuppe.
Ich hatte meine Madeleines schon vorbereitet, was auch gut war, denn eine Memberin musste ins Krankenhaus und man bat mich mitzugehen. Also bin ich gegen vier Uhr weggefahren und war sehr traurig nichts von den Vorbereitungen mitzubekommen.
Der Krankenhausaufenthalt hat insgesamt drei Stunden gedauert das bedeutet, dass ich genau dann zurückkam, als die Feier anfing.
Ich bin von einem Saal in den anderen gelaufen, meine Memberin im Schlepptau. Dann war der Arzt nicht da, weil er mit Freunden während seiner Arbeitszeit Abendessen war. Dann gab es keine Notiz, die ich der Krankenstation mitbringen konnte. Mir sind die Augen im Taxi zugefallen, weil ich so erschöpft war.
Meinen Salat, den ich eigentlich noch vorbereiten wollte ist leider unangetastet im Kühlschrank geblieben. Als ich ankam und alles schon so gut wie fertig vorbereitet war, war ich traurig, aber den geschmückten Saal zu sehen, alle mit guter Laune zu erleben und Weihnachtsluft zu schnuppern tat mir gut und direkt mit eingespannt zu werden hat es mir ermöglicht sofort wieder wach zu werden.

Eran hatte eine Art Tannenbaum mitgebracht, den wir geschmückt haben.
Und um ein bisschen Weihnachtsstimmung hineinzubringen haben wir kleine Wichtelgeschenke unter den Baum gelegt und Lieder wie Oh du Fröhliche; Last Cristmas; Schneeflöckchen; Stern über Bethlehem; und und und ....liefen aus der mitgebrachten Musikanlage.
Im Karavan wurde noch ein bisschen mit den Instrumenten geübt, dann kamen auch schon die Workshopleiterinnen und unsere israelische Freiwilligen und das Fest konnte beginnen.

Zu Beginn haben wir uns bedankt, dass alle da seien, denn Weihnachten sei ein wichtiges Fest für uns und nicht zu Hause zu sein, würde vieles anders machen und es sei gut in einer großen Gruppe diesen tag zu genießen.Wasser wurde eingeschenkt und die Vorspeise auf dem Buffettisch verteilt.
Flädlesuppe, selbstgemachtes Brot und Tomatenbutter.

Zwischendurch haben sowohl Violine und Bratsche , als auch Klarinette und Trompete kleine Stücke vorgespielt. Die Hauptspeise, mit Kartoffelsalat und Würstchen, Königinpastete wurde serviert. Später der Nachtisch mit Madeleines, Äpfel im Schlafrock, Kuchen und vieles mehr. Es wurde viel geredet, getanzt wurde auch und die Atmosphäre war so gelassen, dass sich wirklich alle wohlgefühlt haben.


Das Wichtel war ein Vergnügen. Malin hat mir eine Israellandkarte geschenkt, auf der ich markieren kann wo ich überall schon war. Sehr sehr nette Idee, über die ich mich gefreut habe. Eran hat uns auch Kleinigkeiten überreicht, die uns so zum Lachen gebracht haben, dass ich weinen musste. ;-)
Der Abend war richtig gelungen und es kam für uns das erste Mal so richtige Weihnachtsstimmung auf, gerade weil wir zusammen etwas geplant haben und allen zeigen durften was das Fest für uns bedeutet und wie wir es feiern, was Weihnachten überhaupt ist.
Die kleine Chadar Ochel, die extra für uns bereit gestellt wurde haben wir aufgeräumt und waren alle gegen ein Uhr in unseren Betten.

Hier ein paar Bilder, um die Atmosphäre aufzugreifen:











Alles Liebe
Eure Maité

Haifa - Seminar über religiöse Minderheiten in Israel

Hallo ihr Lieben,

vor Weihnachten habe ich ein Seminar in Haifa besucht über religiöse Minderheiten hier in Israel.
Also wird dieser Bericht etwas sachlicher und hoffentlich etwas informativer für euch werden.
26  Freiwillige und ein Einblick in alle Untergliederungen der arabischen Kultur.

Schaut man sich das Jahr 1948 im Vergleich zum Jahr 2011 an, sieht man, dass der Anteil deutlich gestiegen ist.
717000 Juden im Jahr 1948, insgesamt 156000 Moslems, Christen, Drusen und andere Untergruppen zusammen. Macht 873 000 zusammen.

2011 waren es nach Schätzung 5, 908 Millionen Juden, 1,354 Mill. Moslems, 155 000 Christen, 
130 000 Drusen und 290 000 andere. Macht insgesamt 7, 837 Millionen Einwohner.

Am ersten Abend haben wir von einem Araber einen Vortrag über das arabische Theater gehalten bekommen, sehr interessant. Anschließend hat er uns etwas mit Pantomime vorgespielt. Es sah klasse aus, denn so realistisch gelingt es wenigen Menschen. Wir als Volontäre hatten ebenso unseren Part bei seiner Aufführung. Mit ein paar Utensilien haben ein paar teilnehmen können, darunter auch ich.

Später kam eine Bauchtänzerin hinzu und hat uns Grundschritte und Grundhaltungen gezeigt, die wir kurze Zeit später selbst ausprobieren konnten. Einigen ist es überraschend gut gelungen. Ich hatte Spaß daran, obwohl ich es sicherlich nicht am Besten gemeistert habe.

Am nächsten Morgen ging es nach einigen Planänderungen zu den Achmaditen. Es war leider kein guter Vortrag. Weitaus mehr interessant war die Begegnung mit den Drusen.

Drusen leben auf dem Karmel und in Galiläa. Sie sind eine weitere Minderheit im Mittelmeerraum. Schaut man außerhalb Israels auf die Karte erkennt man, dass auch im Südlibanon in Südsyrien und auf den Golanhöhen Drusen leben.
Frauen sind bei ihnen im religiösen Leben gleichgestellt. Sie im Vergleich zu den Drusenmännern, muss nicht zur Armee.
Männer tragen Schnurrbart und Glatze, die Frau lange Gewänder und ein weißes Kopftuch. Sie essen kein Schweinefleisch, rauchen nicht und es ist verboten Alkohol zu trinken. Druse kann man seit 1043 nicht mehr werden und um nicht von der Gemeinde ausgestoßen zu werden, wird nur unter sich geheiratet. Nur Druse mit Drusin.

Polygamie und Zweitheirat (wenn sich das Paar trennt und wieder heiratet) sind verboten, dafür die Scheidung erlaubt.
Sie haben eigene Grundgesetze und wollen sich auch nicht zeigen. Das heißt ihr Gebetsraum befindet sich in einem Haus und nicht in einer Moshee oder in einer Kirche.

In Daliyath el-Carmel, dem einen Drusendorf auf dem Karmelberg, haben wir erst einmal gegessen und hatten anschließend ein wenig Zeit für uns bis es weiterging nach Galilee, zu den Tscherkessen.

Es wurde langsam frisch wobei der Tag an sich schön warm war.
In Kfar Kama haben wir von einem Tscherkessen, der aussah wie ein Australier mit rotbraunen Haar, Sonnenbrille und einem perfektem Englisch und eigentlich Araber ist, einen Vortrag gehalten bekommen.
Der beste Vortrag vom ganzen Tag. Tscherkessen sind ein kaukasisches Volk das heißt, dass es ursprünglich aus Russland kommt. Viele wohnen in der Türkei, wenige in Syrien, Jordanien, Irak, Ägypten, Lybien, Israel, Südserbien und dem Kosovo.
Sie verehren Naturgötter, waren vorher Christen, wurden aber im 15. Jahrhundert zum Islam bekehrt.
Ihre Straßen sind nie schmutzig und auch auf den Straßen läuft keiner herum. Keine spielende Kinder, nichts. Ruhige, leere Sträßchen. Ihre Gebetsstätten sehen, durch russischen Einfluss aus wie Kirchen.

Am Abend schön zusammensitzen und sich kennenlernen, sich über die Projekte austauschen und noch etwas trinken.
Am nächsten Tag konnten wir ausschlafen und unsere Sachen packen. Dann sind wir noch einmal zu einem gemeinsamen Ausflug in die Bahai Gärten gegangen. Ich hatte diese Tour zum Glück schon gemacht und einen guten Vortrag gehabt, denn der Vortrag war wirklich nicht sonderlich prickelnd.

An sich war es ein sehr angenehmes Seminar mit vielen interessanten Beiträgen. Auch die Gruppe war sehr nett, es ist gut neue Leute kennenzulernen, beziehungsweise auch etwas mit denen zu machen, die man schon öfters getroffen hat.
 Bei den Achmaditen
 
 
 Bei den Drusen
 
 

 Bei den Tscherkessen
 
 

 Die Bahai Gärten
 
 




 Unsere Seminargruppe
 
 




Alles Liebe
Eure Maité

Mittwoch, 8. Januar 2014

Hanukka

Hallo meine Lieben,

ich habe einiges aufzuholen und fange am Besten mit Hanukka an. Vor einem knappen Monat war Hanukka auch das Lichterfest genannt. Es dauert insgesamt acht Tage und soll an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels erinnern. Während Hanukka wird jeden Abend ein neues der neun Lichter auf der Menora (dem siebenarmigen/neunarmiger Leuchter) angezündet.
Der Geschichte nach, sollte das Licht im Tempel immer brennen. Man fand aber nur einen Krug voll Öl, für genau einen Tag. Man würde aber genau acht weitere Tage brauchen, um neues Öl herzustellen. Wie durch ein Wunder hielt das Licht acht Tage an.
Auf dem Leuchter sind oft neun Lichter vorzufinden. Das mittlere Licht brennt immer zuerst. Als Diener soll es die anderen Kerzen anzünden.

An Hanukka hatten wir verschiedenste Aktivitäten. Einige Volontäre konnten unsere Member bei Ausflügen in den Zirkus begleiten. Und Gerade mit der Kfar-Band waren wir in dieser Woche sehr viel unterwegs. Die erste Station war ein Auftritt im Kfar selbst. Eine große Party. Wir hatten zuvor zwei Stücke mit dem Memberchor ein geprobt. Somit, nach viel Aufregung haben wir es geschafft aufzutreten.
Alle Member waren in der Chadar Ochel versammelt.
Nach ein paar einleitenden Worten von verschiedensten Personen, wurde gesungen, wir haben Musik gespielt, unsere Workshopleiter haben ein Stück aufgeführt. Wir sollten mit den israelischen Volonärinnen etwas einstudieren (was wir am Abend vorher gemacht hatten ;-) ) Die Menora wurde von acht verschiedenen Leuten angezündet: einer Freiwilligen, einer Sozialarbeiterin,...!

Den Membern hat es viel Spaß gemacht. Am Ende durften alle tanzen und wir als Freiwillige haben uns natürlich auch sehr gefreut dabei sein zu dürfen.
Das war noch nicht alles.

Ein HaShofet war mit dem Memberchor das nächste Ziel. Ein Kibbuz, wie man es sich heute noch vorstellt. Eine Chadar Ochel, ein Speisesaal, in dem sich alle versammeln. Die Häuser stehen nebeneinander, sind klein und einfach. Ein großer Spielplatz, Grundschule und Kindergarten stehen in dem Kibbuz. Es werden dort über 200 Kühe gehalten, eigene Milch produziert.
Für uns war es sehr anders an diesem Ort zu sein, aber man hatte ein seltsames Gefühl der Zugehörigkeit und man hat sich sofort wohlgefühlt. Diese Art des Lebens kennen wir nicht aber es war interessant hineinschnuppern zu dürfen.
Unsere Musikeinlage kam gut an und neben den Sufganiot (Wie Berliner)  als süße Nachspeise hatten wir einen wunderschönen anstrengenden Abend.
Unser letzter Auftritt war in Mizra, einem Kibbuz zwischen Afula und Nazareth. Es ist eines der ältesten Kibbuzim in Israel. Dort haben wir erneut mit dem Memberchor etwas aufgeführt. Es waren nur ältere Leute versammelt, wie im Kfar und in HaShofet, das Programm glich sich. Die Menora wurde angezündet und es gab viel Musik.

Hanukka, ein kleiner Ersatz für unser Weihnachten? Vielleicht. Wir hatten einen Adventskranz gebastelt, damit etwas weihnachtliches Feeling aufkommt. Aber der Ausflug ins weiße Jerusalem war nicht zu ersetzten. Weihnachtlicher hätte es nicht sein können. Aber diese Geschichte kennt ihr ja schon!




So das wars,
das nächste Mal gibt es etwas über Weihnachten und Silvester zu hören =)

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Kalt in Israel? Wer hätte das gedacht?!

Ich ziehe diesen Bericht etwas vor, weil ich gerade aus meinem Kurzurlaub in Jerusalem zurückgekommen bin.
Am Wochenende, wie es jeder wahrscheinlich schon mitbekommen hat, hat es geschneit. "Wintereinbruch im Nahen Osten"; "Jerusalem im Schneechaos!"; "Schwerer Wintersturm legt Israel lahm"; "Israel und Region versinken im Winterchaos"
So stand es in den Zeitungen.
Wir sind also trotz allen Warnungen am Donnerstag nach Haifa gefahren. Dort hieß es zunächst, es würden keine Busse fahren. Wir haben nachgehackt und dann auf einmal fuhren doch wieder Busse. Nach einem kleinen Snack sind wir mit dem Bus um 19:00 Richtung Jerusalem gefahren. Alles verlief gut, bis wir in Jerusalem ankamen. Man sah aus dem Fenster die ersten Schneeflocken fallen. Wir riefen im Hostel an, um erstens ein Zimmer zu buchen und zweitens um zu sagen, dass wir eventuell später kommen würden. Zu dem Zeitpunkt sprachen wir über eine Dreiviertelstunde. Irgendwann staute es sich vor uns und wir wurden unruhig. Der Busfahrer hielt an und meinte, wir würden jetzt erstmal stehen bleiben müssen. Die Jungs und Männer sind erstmal auf die Toilette gegangen, später haben wir uns auch herausgetraut. Nicht einfach für Mädchen auf einer zweispurigen Autobahn einen Platz zu finden, an dem nicht hundert Augenpaare einen anstarren. An den Rädern haben wir es uns dann "gemütlich" gemacht ;-).
Wieder im Bus hieß es immer wieder, "bald geht es weiter bald geht es weiter". Von wegen. Wir standen zehn Stunden auf dem Highway 1, 8 Kilometer entfernt von der heiligen Stadt. Kein Essen, kein Trinken und keine Möglichkeit sich fortzubewegen. Theres hat sich mit einem Schlafsack auf die letzte Reihe gelegt. Roman, Rebekka, Mimi und ich haben es uns auf zwei Plätzen gemütlich gemacht. Glück für uns also, dass der Bus nur zur Hälfte gefüllt war. Ich war kurz draußen und habe Fotos gemacht. Vorher hatten uns andere deutsche Freiwillige gefragt, ob wir mit ihnen zurücklaufen wollen. Nachdem ich draußen war, war für mich sicher: ich bleibe im Bus, der Wind ist zu stark und es ist einfach zu kalt.

 
 
Als wir aufgewacht sind, waren wir bis zum Rand von Jerusalem vorgedrungen. Anscheinend hatte der Bus wie viele andere auch kehrt gemacht und eine andere Straße genommen.

 
Man sagte uns, es gäbe Verpflegung in der Central Bus Station. Wir haben uns zu fünft dazu entschlossen das restliche Stück zu laufen und auf unserem Fußweg nach einem Hostel Ausschau zu halten. Mit nassen Schuhen, keiner Motivation und kalten Gesichtern sind wir im Schnee langgestapft. Nach einer Stunde hat eine von uns eine Bäckerei entdeckt und ist rufend hineingelaufen. Zum Glück haben sie uns aufgenommen. Tropfend standen wir in dem Bäckerladen, mit dem uns geschenkten Brot in der Hand. Nach ein paar Minuten kam die Frage auf, wo wir denn schlafen würden. Da wir keine Ahnung hatten, hat uns der Bäcker mitgenommen ins 15 Meter weitentfernte Hotel.
Ein Zimmer für fünf für den Preis von vier. Das war okay, obwohl es doch teuer für uns war. Um neun haben wir uns schlafen gelegt. Wir waren ausgelaugt, müde und durchnässt. Nach einer heißen Dusche haben wir bis um zwei geschlafen. Eine kleine Küche war in unserem Zimmer, an Shabbat machen die Geschäfte früh zu, also sind wir schnell raus um noch etwas einzukaufen. Nudeln, Tomatensoße, Chips und Tee. Ein kleiner Abstecher zu den Jerusalemer Volontären. Es hatte zwischendurch aufgehört zu schneien und wir dachten, wir würden gut nach Hause kommen.
Mit Plastiktüten unter den Socken, die nassen Schuhe darüber sind wir raus gegangen. Da sahen wir, dass es wieder geschneit hatte. Zu allem Unglück ist uns eine Tomatensoße auf den Boden gefallen. Zurück im Hotel, nach einem erneut kalten Marsch durch den Schnee haben wir uns Zimttee, Nudeln und Tomatensoße gemacht, Pita mit Humus als Vorspeise.

Dann nun der Abreisetag. Wir hatten am Tag zuvor mit Eran gesprochen und er hatte uns durchgegeben, dass es zwei Züge geben würde. Um 11 Uhr morgens und um 14 Uhr. Wir sind los, wollten trampen. Natürlich keine Autos. Die Autofahrer hatten ihre Autos liegenlassen und sind zu Fuß nach Hause gelaufen. Während wir am Shabbat versucht haben ein Taxi zu erreichen, kam ein Krankenwagen. Er hat uns mitgenommen, davor aber sein Navi ausgeschaltet, da es während seiner Arbeitszeit war. Wir mussten an der Zugstation noch warten. Alle ohne Schuhe, weil unsere Füße so durchnässt und kalt waren, dass wir die Schuhe nicht mehr anlassen konnten.

Wer es glaubt oder nicht, wir sind nach vier Stunden Zug endlich wieder zu Hause angekommen.
Fazit: es war anstrengend, eigentlich zu erwarten aber es ist und bleibt eine Geschichte, die man noch lange erzählen kann. Wer erlebt schon den "härtesten Winter seit 60 Jahren" in Israel?





Zu Hause angekommen, erwartete mich unsere schön gedeckter Tisch mit unserem tollen Adventskranz, den Kerzen und dem Duft der Weihnachtskekse.

Heute bin ich von meinem dreitägigen Seminar in Haifa über religiöse Minderheiten in Israel nach Hause gekommen. Ich berichte ein anderes mal darüber. Aber das Wetter hier in Tivon ist wieder richtig schön. Die Regenzeit ist nicht vorbei aber momentan scheint die Sonne und es sind mildere Temperaturen vorzufinden. Was möchte man mehr??



Bald ist Weihnachten, wir werden am 22. 12.  mit den Workshopleitern, Eran und den israelischen Freiwilligen ein Weihnachtsessen machen, mit Brezeln, Pastete, Kartoffelsalat und noch vieles mehr. Am 24.12. werden wir nach Bethlehem fahren und dort wenn alles klappt in Jerusalem in der Erlöserkirche den Gottesdienst besuchen. Dann marschieren wir nach Bethlehem pilgern.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten zu Hause und wo auch immer ihr momentan seid!

Eure Maité

Freitag, 29. November 2013

Drei Monate sind rum, was ist bisher passiert?


Shalom Chaverim,



mein erster Rundbrief nach drei Monaten. Der Herbst und auch der Winter brechen hier ein und man wird langsam nachdenklich: Was ist in den letzten Tagen, Wochen, Monaten passiert? Der Rundbrief soll nicht nur euch einen Einblick in mein neues Leben geben, er soll auch für mich der erste Anhaltspunkt, die erste Verschnaufpause sein, in der ich für mich selbst auch reflektieren kann, was ich für Erlebnisse gemacht habe und inwiefern sich mein Leben verändert hat.

Das Bild zeigt mich zwar nicht, aber es zeigt gut, wie ich mich hier fühle. Typisch für israelische Sonnenuntergänge sind, dass gerade am Meer die Farben sehr intensiv sind und die Sonne mit dem Meer verschmilzt. Innerhalb weniger Minuten ist sie weg, ein Spektakel, welches nicht lange andauert.
Ein bisschen identifiziere ich mich selbst mit diesem Bild. Meine Tage gehen so schnell um, ich sehe die Zeit kaum, die Stunden auf der Arbeit und mit den anderen Freiwilligen sind sehr farbenintensiv und jedes Mal aufs Neue anders.

Wo soll ich anfangen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es ist so viel geschehen, so vieles was ich euch gerne sagen würde. Es fällt mir aber unglaublich schwer all das in Worte zu fassen, geschweige denn es manchmal sogar ganz zu verarbeiten und wahrzunehmen.

Am 14.08.2013 begann also meine Reise in ein mir noch unbekanntes Land mit einer unbekannten Kultur, mit fremden Menschen: Ein Kulturschock im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch hat dieser nicht lange angehalten.

Als ich an meinem Abreisetag das letzte Mal hinter mich geschaut habe, war ich traurig das Gewohnte zu verlassen und mir wurde bewusst, dass ich meine Familie und Freunde  nun vorerst zum letzten Mal sehen würde.
Aber ich war in dem Moment auch so gespannt auf das Neue, es hat mich so eingenommen, dass ich gar nicht die Zeit hatte lange über den Abschied nachzudenken.


Ich habe mich von Anfang an hier im Projekt wohl gefühlt. Als ich den ersten Tag im Projekt war, saßen wir auf der Wiese und es kamen plötzlich so viele Member, auch Chaverim (Freunde) genannt, auf uns zu. Sie haben sich entweder um uns herum gesetzt, mit uns sofort geredet (wobei wir da noch gar kein Hebräisch konnten) oder doch nur neugierig geschaut. So viel Lärm, so viel Neues, was erst einmal verarbeitet werden musste.
Zunächst waren wir Volontäre nur als „die Neuen“ bekannt. Es wurde oft gefragt wie wir denn heißen würden, woher wir kommen, und und und. Mittlerweile vermisst man uns, wenn wir am Wochenende nicht da sind oder man hört von weitem unsere Namen. Alle von uns sind gleichermaßen von den Membern aufgenommen worden, was sehr angenehm ist und einem jeden Tag Freude bereitet.

Kfar Tikva ist ein Dorf für Behinderte. Insgesamt gibt es hier knapp über 200 Chaverim. Es gibt zwei Übergruppen – die geistigen Behinderungen und die seelischen Erkrankungen. Die Member werden danach eingeteilt. Medizinisch gesehen ist jemand, der vor seinem 18. Lebensjahr erkrankt, geistig behindert. Alle anderen werden der zweiten Gruppe zugeordnet. Zusätzlich gibt es Chaverim, die nur im Kfar arbeiten und nach dem Abendessen den Transit nach Hause, nach Kiryat Amal nehmen. Sie sind sehr eigenständig und brauchen keine zusätzliche Betreuung. Es ist schon zur Gewohnheit geworden, dass man einige von ihnen auf der Straße oder im Supermarkt trifft, kurz ein paar Sätze auf Hebräisch austauscht und dann wieder seinen eigenen Weg geht.
Ziel des Kfars ist es, den Membern das Gefühl zu geben, trotz ihrer Behinderung ein halbwegs normales Leben zu führen. Daher werden sie auch für ihre Arbeit bezahlt, dürfen sich frei bewegen. Das heißt auch mal nach Haifa fahren oder nach Tivon. Des Weiteren leben sie in Häusern mit Küchenzeilen, mit Badezimmern und allem was sie brauchen. Ihre Wäsche bringen sie regelmäßig zum Waschen in die Wäscherei. Sie dürfen Beziehungen führen, wir haben auch gleichgeschlechtliche Paare. Wie ich erwähnte, ein fast normales Leben.

Wir als Volontäre sollen etwas Neues in ihr, doch manchmal monotones Leben bringen. Offiziell dürfen wir auch gar nicht arbeiten. Wir sollen unterstützen. Und das stimmt. Wir haben zwar unsere Jobs, die wir über den Tag verteilt wahrnehmen müssen, aber zwischendurch reden wir mit den Membern, setzten uns zusammen auf eine Bank, machen einen Spaziergang. Auch wenn es ein ganz normales „Boker Tov“ ist, die Bewohner sind jedes Mal aufs Neue glücklich, umarmen uns und wirbeln die gesamte Zeit um uns herum. Durch unsere Einzeljobs, sollen wir etwas Freizeit gestalten. Ich gehe mit meinen Membern  in unser Kfar eigenes Kaffee (Cafe Tarbut). Wir hören Musik, besuchen die Tierfarm, die Pinat Chai. Da alle in dem gleichen Haus wohnen, komme ich sie besuchen und wir trinken zusammen mit den anderen drei Mitbewohnern Tee mit besonders viel Zucker.

Es ist wichtig, dass sie merken, dass man eine Respektperson ist aber, dass man gleichzeitig auch jemand ist, mit dem man sich unterhalten kann und der seinen Gegenüber ebenfalls respektiert.
Sie freuen sich, wenn ich komme und ich bin auch sehr zufrieden mit meinen Membern.  Sie sind alle drei auf ihre Art und Weise herausfordernd und manchmal bin ich etwas überfordert aber das bin nicht nur ich, sondern am Anfang alle ein bisschen.
Meiner Meinung nach ist es auch gut an seine Grenzen zu stoßen, da man sich selbst so oft besser kennen lernt.


Baruch haba, Willkommen im Garten.



Wie sieht mein Tag aus?
Morgens nehmen zwei oder drei Freiwillige den Transit um kurz vor sieben. Die sogenannten Morningsjobs bestehen darin, dass wir ein paar Member wecken  und sichergehen, dass sie ihren Tag zwischen sieben und halb acht beginnen.
Und auch hier merkt man schon, wie gerne uns die Bewohner haben. „Boker Tov“, „Ma schlomech?“ „Hayo“ ertönt es sobald man den Transit betritt, oder den ersten Fuß auf den Boden des Kfars stellt.
Wo wir denn waren, wie es uns gehe, was wir gemacht haben, wo wir heute arbeiten würden.

In den ersten Wochen hat jeder von uns zwölf geschaut welcher Workshop ihm am besten gefällt und wo er sich am wohlsten fühlt. Ich habe mich in der Pinat Chai sehr wohl gefühlt, gleichermaßen ging es mir im Garten. Nun arbeite ich im Garten zusammen mit drei anderen Volontären und 10 Membern.
Von 8 bis 11:30/12:00 ist jeder Freiwillige in seinem Workshop.
Wir im Garten sollen im Kfar für die Sauberkeit sorgen. Nachdem morgens alle begrüßt wurden, geht jeder automatisch an seine Arbeit. Wir sind schon nach ein paar Wochen ein eingespieltes Team gewesen. Jeder weiß, was er zu tun hat. Unsere einzige Frau im Team kümmert sich um ihren kleinen Garten. Ein Autist hat seit neustem ebenfalls einen kleinen Kaktusgarten, um den er sich kümmert während die anderen die Pflanzen und das Gemüse gießen.
Anschließend geht es weiter: entweder wir müssen im Volontärsgarten fegen, säubern, schneiden und aufräumen. Oder wir fegen an einem anderen Ort im Kfar. Die Arbeit ist sehr unterhaltsam. Jeden Morgen begrüßt uns ein Member mit einem „du Stinker du“, „Bulldog“, „Lechle Jakob“ (Geh zu Jakob). Dieser Member kann ein paar Deutschfetzen. Er arbeitet sagen wir es mal so, manchmal mehr, manchmal weniger effektiv, jedes Mal mit der Magrifa, dem Rechen, oder der Matate, dem Besen. Dadurch wird es nur umso lustiger, wenn er anfängt den Volontären bei der Arbeit Verbesserungsvorschläge zu unterbreitet oder uns sagt, wie wir denn zu arbeiten hätten.  „Du Lümmel du“, „Mit der Hand, mit der Hand“ „Mischtara, mischtara“ (Polizei, Polizei). „Und du, wo arbeitest du?“

Die Pausen um 10:00 sind jedes Mal ein Highlight. Es wird viel gesungen, sei es die Beatles, Aux Champs Elysée oder ältere Lieder. Jeder redet durcheinander, es wird gelacht. Manchmal ist die Stimmung nicht so gut, aber das kommt auch mal vor. Dann wird sich angeschrien, dann wird es auch mal laut und wir stehen manchmal als Freiwillige etwas unwissend, unvorbereitet und überfordert da. Da wir aber meistens die Socialworker erreichen können, findet sich immer eine Lösung.
Mit Obst, Tee, Miz (Saft) und Kaffee verbringen wir unsere Pause. Anschließend wird noch einmal bis halb zwölf gearbeitet.
Ein Grund mehr, weshalb ich mich jeden Morgen freue, den Garten zu betreten: Die Member sind wirklich toll. Wir haben eine Leiterin, die aber im Vergleich zu den anderen Workshops nicht jeden Tag da ist, sondern einmal die Woche mit uns arbeitet. Wir können in vielen Dingen sehr frei entscheiden. Haben wir keine Lust an einem Ort zu arbeiten, gehen wir an einen anderen. Wir können die Pause früher machen, später gestalten.
Jeden Donnerstag, bevor es den wohlverdienten Lohn gibt, wird Bowling im Garten gespielt, am Anfang der Woche, der bei uns Sonntag ist, wird Pita gebacken; Aktivitäten, die unsere Member erfreuen und gleichzeitig auch für etwas Entspannung sorgen!
Einige Projekte schweben uns vor. Wir dachten daran eventuell eine Bowlingbahn zu errichten und den Garten mit einer Kräuterschnecke zu verzieren.
Bald wird die Regenzeit beginnen und wir suchen ein paar Ideen, die wir mit unseren Membern machen können, wie zum Beispiel Windspiele und andere hübsche Dinge von denen ich sicherlich mehr in meinen nächsten Berichten schreiben werde.
Momentan haben wir auch ein Projekt mit einer Schule. Jede zweite Woche gehen vier Member und zwei Volontäre nach Tivon, um dort eine kleine Gruppe von Schülern zwischen neun und elf Jahren zu treffen. Wir kümmern uns um den Garten, pflanzen Gemüse und Blumen und Kräuter.

Wenn der Vormittag sich zu Ende neigt, geht es weiter mit dem Chadar Ochel-Dienst, (Chadar Ochel = Speisesaal). Wir wechseln uns mit dem Dienst ab. Manchmal haben wir viel Zeit zu Essen, manchmal nicht, denn ab zwölf warten wieder ein paar Jobs auf uns. Unsere Jungs kümmern sich um zwei Männer, wir Mädchen sollen entweder eine Memberin duschen oder mit einer anderen spielen, spazieren gehen , sie dazu bringen, dass sie ein wenig aus ihrem Raum rauskommt und durch das Kfar läuft, andere sieht.

Mein Lieblingsjob mittags: einen Member zum Essenssaal bringen und ihn beim Essen unterstützen. Man benötigt viel Geduld, denn er braucht für einen Weg für den ich fünf Minuten benötige manchmal, je nach Laune, auch mal 20 Minuten. Das Gegenteil beim Essen, er verschlingt regelrecht alles was vor ihm auf dem Teller liegt.
Hat er am Anfang kaum mit uns gesprochen, fängt er jetzt an sich an uns zu gewöhnen. Er lächelt mich durch seine Altersfalten an und sein sonst so grimmiges Gesicht erhellt ein wenig.
Er redet auch mehr mit mir und was mich am meisten freut ist, wenn er in seinem Tempo auf mich zugelaufen kommt, seine Hand ausstreckt und mich einfach nur anschaut.

Am Nachmittag bieten die Shinshinin, unsere israelischen Freiwilligen verschiedene Programmpunkte an. Im Cafe Tarbut können sich die Member mit ihrem verdienten Geld Kuchen, Eis und Kaffee gönnen. Sie sind stolz, wenn sie kommen, sich etwas kaufen können und dabei merken, dass sich ihre Arbeit in der letzten Woche gelohnt hat.
Fußball, Volleyball, Basketball werden angeboten. Und weit mehr Aktivitäten.
Einer von uns hat abends bis um halb sieben Dienst. Ein kleiner Spaziergang mit Membern aus dem Altersheim, der immer sehr unterhaltsam ist und dann nochmals Chadar Ochel-Dienst.
Auch abends gibt es Aktivitäten organisiert von den israelischen Freiwilligen. Eine Vorlesestunde im Altersheim, ein Filmeabend, Bingo und noch vieles mehr steht auf dem Abendplan der Bewohner.
Wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind, sei es um drei oder erst um halb sieben, der Transit steht abfahrtsbereit und bringt uns nach Hause. Man plaudert noch kurz mit dem Fahrer und schließt dann zum wohlverdienten Feierabend die Haustür auf, lässt sich auf das Sofa fallen und genießt den Abend zusammen mit den anderen.

 



In meiner Freizeit zeichne ich mit drei anderen Freiwilligen, jeden Dienstagabend treffen wir uns mit einem Socialworker aus dem Kfar, der Kunst studiert hat und zeichnen zwei Stunden. Mittwochs spielen wir mit den arabischen Workern aus dem Kfar und einigen Membern Fußball. Ich habe mit dem Gedanken gespielt einen Chor zu besuchen. Mal schauen, ob ich dieses Angebot in Tivon wahrnehmen werde.
Einmal im Monat gehen wir nach Haifa mit den israelischen Freiwilligen und ein paar Membern und schauen uns ein Basketballspiel an. Für unsere Member natürlich ein riesiges Highlight und für uns ebenfalls eine kleine Verschnaufpause, die aber trotzdem mit viel Spaß und Action verbunden ist.
Zusätzlich zu meinen  Abendaktivitäten reise ich viel durch das Land, um etwas von der Kultur und den Menschen kennenzulernen.


Von Haifa, Tel Aviv, Ceasarea, Nazareth über Jenin, Jericho, Bethlehem und Jerusalem. Das System der Deutschen Freiwilligen funktioniert gut, sodass man normalerweise gut eine Unterkunft bekommen kann. 
Das Land ist sehr vielseitig. Und es reicht nicht einen Tag in einer Stadt zu verbringen und dann zu erwarten das Land und die Leute zu verstehen. Ich merke es selbst. Ich war zum dritten Mal in Jerusalem und habe immer noch Probleme mit dieser Stadt zurechtzukommen. So viele Kulturen, die aufeinandertreffen und gleichzeitig so viel Konfliktpotenzial, das in der Luft liegt. Ich habe viel gelernt in diesen drei Monaten aber es reicht definitiv nicht, um mir eine Meinung zu bilden, geschweige denn eine  Position zu beziehen.
Tabgha war ebenfalls ein Erlebnis für sich. Eine Gruppe Volontäre und Membern aus Kfar Tikva hat sich mit Betreuern und Membern aus Beit Jala, aus Palästina, in Tabgha getroffen. Wir haben dort
drei Tage zusammen verbracht. Ziel dieses Aufeinandertreffens war es, in die andere Kultur schnuppern zu können. Für mich hat es nur gezeigt, dass die arabischen und die israelischen Traditionen sich in keiner Weise im Wege stehen sondern, dass es auch ein friedliches Zusammenleben gibt. Wir haben verschiedene Workshops angeboten, zum Beispiel Holzschiffchen gebastelt, Sport gemacht, Liba gebacken oder gemalt. An einem Abend haben wir die Sukka gebaut, an dem anderen Abend haben wir uns mit arabischer Musik begeistern lassen.

Von beiden Seiten war die Motivation sehr groß, es wurde viel geredet obwohl sie sich sprachlich nicht verständigen konnten.
Tagbha war für mich ein Ort, an dem ich mich sehr wohlgefühlt habe und der ein bisschen dem Paradies glich.

 


 

Jerusalem und die Mauer in Bethlehem.



      
 
 





 So, was bleibt mir noch zu sagen? Ich schreibe einen Blog und versuche ihn regelmäßig zu aktualisieren. Da ich aber nicht oft zu Hause bin, fällt mir das etwas schwerer.
Wichtig für mich ist es, auch hier noch einmal jedem für die Unterstützung zu danken. Ich bin sehr glücklich in meinem Projekt und erfreue mich an jedem Tag meiner Arbeit nachzugehen. Es erfüllt mich. Jeder Tag ist für mich aufs Neue eine Herausforderung, die ich versuche mit Erfolg zu meistern.

Nach einem kurzen, nicht geplanten und überraschenden Zwischenstopp in Deutschland ist mir bewusst geworden, wie sehr ich mich innerhalb der ersten drei Monate in das Land verliebt habe. Der Drang nach „Hause“ zurückzufahren und die Vorfreude waren dann doch sehr groß. Und mir ist gleichzeitig bewusst geworden, welche guten Freundschaften sich in so kurzer Zeit gebildet haben.
Sie haben mich in der Woche vor meiner Abreise nach Deutschland sehr unterstützt und haben mich immer dann abgelenkt, wenn ich es brauchte.

Danke an die Diakonie, dass sie mir das ermöglicht hat und danke an alle meine Spender, Blogverfolger, Familie und Freunde, die mich tatkräftig unterstützen in allem was ich tue und hinter mir stehen.  Ohne euch könnte ich nicht diese wunderbaren Erfahrungen machen und  an den neuen Herausforderungen wachsen. Ich habe mich sehr verändert und denke, dass ich innerhalb der nächsten neun Monate noch weitere Veränderungen über mich ergehen lassen muss! ;-)
Ich freue mich über jeden Gedanken, über jedes kleine Wort, welches in meinem Mail Fach eingeht oder per Post ankommt. Ich kann eine schnelle Antwort nicht versprechen, aber ich freue mich jetzt schon sehr darüber.

Dann bleibt mir hier nur noch ein Schalom, lehitraot und toda raba zu sagen.

Eure Maité